Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Montag, September 26, 2005

kene Updates?!

... doch, eigentlich schon. Heute morgen bin ich sogar für das übliche Montagsupdate etwas früher aufgestanden, damit alles hübsch fertig is, wenn die anderen eintrudeln. Es war natürlich nicht alles fertig und ich hab in etwa eineinhalb Stunden geschreiben und geschrieben und geschrieben, immerhin ist einiges passiert dieses Wochenende.
Der Artikel war fertig und ich zufrieden mit meiner Arbeit. Ich wollte nur noch ein Bild von einem Tuktuk anhängen, dass ihr mal seht wie die fahrenden Allzweckluftverpester aussehen. Mein Labtop fand das nicht gut. WENN mein labtop etwas nicht gut findet, schaltet er auf stur, übersetzt heißt das, Festplatte runterfahren und beim Reboot melden das kein Betriebssystem auf dem Rechner gefunden wurde. Die Hintertür (Reparaturinstallation) war leider auch versperrt und zu allem übel gab dann auch noch meine Windows CD ihren Geist auf. Ergo, ich habe heute malwieder für alle (mir UNBEKANNTEN) Schandtaten gebüßt, die ich meinem Labtop angetan habe und jemals antun werde.
Immerhin, nach viel gut zureden und Aia Aia funktioniert er wieder. Mal schauen wie lange. Ich vermute, dass die ständigen Stromausfälle die Schlechte Laune zu verschulden haben, aber wer versteht schon Computer (und ja, ich weiß (Grinsen und Genugtuung machen sich bei Jane breit, der Ulrich redet von seinem Computer als Person...).
Meine Schreiberlaune ist dementsprechend so ziemlich am Nullpunkt angelangt. Um euch allerdings weiterhin bei Stange zu halten, die Übung nicht zu verlieren und meinem Schicksal zu trotzen starte ich einen zweiten Versuch (aber diesmal mit WORD zwischenspeichern auf anderer Partition, habe meinem Rechner den Kampf angesagt). Allerdings müsst ihr jetzt natürlich mit einer Kurzfassung vorlieb nehmen.

Dieses Wochenende habe ich mir ein paar Sehenswürdigkeiten angeschaut. Am schönsten und somit auch erwähnenswertesten ist der Cubbon Park. Die „grüne Lunge“ Bangalores, der größte Park der Stadt. Tuktuk lief ausnahmsweise problemlos, ich komme da an wo ich hin will und zwar ohne Probleme. Sobald ich durch das Haupttor getreten bin, verschwinden mit jedem weiteren Schritt die Geräusche der verkehrsgeplagten Stadt und weichen einer natürlichen Ruhe, die nur von ein paar verkaufstüchtigen Indern („Wanna – setze beliebigen Ramsch hier ein – Ser?“) sporadisch gestört wird. Direkt am Eingang das übliche Schild mit den do’s und dont’s nur dass das in Indien etwas übergroß ausfällt um dem bürokratiebewussten Inder das Bedürfnis nach Regularien zu befriedigen. Neben Hunden sind auch Straßenhändler nicht erlaubt, da hilft auch kein Maulkorb. Belustigt lese ich weiter und bleibe bei „Die Vögel nicht mit Steinen bewerfen“ hängen (gar nicht so bescheuert, wenn man den Eze kennt). Ich überlege ob es nicht besser wäre auch explizit zu verbieten MENSCHEN mit Steinen zu bewerfen, so nach dem Motto, was nicht ausdrücklich verboten ist…
Der Schlusssatz ist dann: „Don’t harm the Nature so that your environment doesn’t harm you”. Oeh… Da become ich augenblicklich Assoziationen von fiesem giftigem Kleingetier und menschenfeindlichem Sumpfland und nehme mir vor, heute mal besonders umweltfreundlich zu sein.
Der Park an sich ist eine Augenweide, ich schlendere zwischen allerlei Pflanzen, exotischen Tieren und Indern durch das Üppige grün und genieße die Ruhe. Im vergleich zu einem deutschen Park ist alles sehr naturbelassen. Gepflasterte Wege gibt es nur an den markanten Punkten des Parks, ansonsten gibt es sandige Trampelpfade, die nicht selten durch Bambusdickichte ins nirgendwo führen. Nach meinen zwei ersten Wochen in der Stadt ist das genau das was ich brauche,

Nachdem ich ein bisschen Ziellos durch den Park gewandert bin, ist es Zeit, die umliegenden Sehenwürdigkeiten (allesamt Indische Herrschaftsbauten) anzusehen. Die in rot gehaltenen Gebäude sind alle gut von eifrigen Wachmännern geschützt und heben sich Majestätisch vom grün des umliegenden Waldes ab.
Vor dem High Court of Karnantaka dann eine große Menschenmange, anscheinend wollen alle ein Foto mit sich und Court. Der Platz ist denkbar günstig, da sich der Prachtbau am ende einer breiten langen Treppe befindet. Im ersten Moment noch Zuschauer werde ich sofort nach Entdeckung zur zweiten Attraktion, was bedeutet, dass bitteschön alle hier den Whitey auf dem Foto haben möchten. Die Leute sind zu liebenswert um „No“ zu sagen und so habe ich die nächsten 20 Minuten mit Posieren und Händeschütteln allerhand zu tun. In einer kurzen Verschnaufpause ( eine Mädchengruppe verstopft die Treppe) gelingt es mir, mich zunächst unauffällig hinter einem Busch zu postieren um danach eilenden Schrittes das Weite zu suchen, die Ruhe zu genießen und den Eichhörnchen (natürlich nicht wie bei uns - etwas kleiner und grau schwarz gestreift), die es hier en masse gibt, bei ihrem Treiben zuzuschauen.
Unterbrochen werde ich dabei regelmäßig von kleinen Gruppen Ortsansässiger, die ihren Wochenendspaziergang im Park machen. Das läuft dann so (ist wirklich immer das gleiche Schema… ob hier Kurse angeboten werden?):
Die Gruppe marschiert geschlossen auf mich zu, alle mit einem Lächeln auf dem Gesicht, einer hat den schwarzen Peter, mir ist es allerdings nie gelungen ihn vorher rauszudeuten, der wird dann von den Anderen kurz vorm zusammenprall nach vorne Geschubst, während der Rest stehen bleibt. Es folgt ein verlegenes Grinsen und ein „hello ser“, auf meine freundliche Erwiderung folgt das obligatorische „Where are u from ser?“. Danach ein Händedruck, während dem die Namen ausgetauscht werden, „Take Care“ und schon verschwindet die Clique tuschelnd im grünen.
Danach lasse ich den Tag in der Stadt ausklingen. Im Café treffe ich einen Regisseur und einen Astronom, der mich sogleich über meine Shakras aufklärt. Eineinhalb Stunden diskutieren wir über mich, meine Vergangenheit, meine Zukunft und alles ist sehr philosophisch. Sie lassen es sich nicht nehmen mir mein Getränk zu bezahlen und ich kann wieder zwei interessante Bekanntschaften bei „haben“ verbuchen. Ich lerne in der bar später noch einen Italiener kennen, mit dem ich ausgelassen über alle möglichen Themen diskutiere. Mit typisch Italienischem Gestenreichtum und natürlich auch etwas Machogehabe. Alles in allem lerne ich wieder 5 Leute kennen und freue mich, dass das hier wirklich einfach ist. Einfach zu jemandem an den Tisch setzten und losplaudern, et voilá die gute Unterhaltung für die nächste Stunde ist gesichert.

Habe heute die örtliche Müllabfuhr erspäht und war verwundert (warum eigentlich) dass das auch mit einem tuktuk erledigt wird. Anstatt der üblichen Kabine wurde hier einfach ein Stahlcontainer angeschweißt. Wie sich das ding vollbeladen noch fortbewegen kann ist mir ein Rätsel und bricht wohl auch mit so manchem physikalischen Grundsatz, aber es rollt, stinkt und macht krach, wie jedes andere Tuktuk auch.

Paar Fakten die mir gerade einfallen:
Das Auspuffrohr hat in etwa den Durchmesser meines kleinen Fingers, gestartet werden die Dinger mit einem Hebel der etwas an eine Handbremse erinnert, einmal kräftig dran ziehen und schon erwacht das Gefährt zum Leben. Bei vielen Tuktuks prangt der Spruch „Don’t pollute the air“ über der Heckscheibe. Dass der Träger der Schriftzugs mit abstand den höchsten Schadstoffausstoß hat scheint die Fahrer nicht zu stören, immerhin, an jeder Ampel wird brav der Motor ausgeschaltet.

2 Comments:

Blogger Spange said...

Hiho Ulrich,

nettes Blog! Finds richtig ql dass du dich hier ueber Indien und "Die Zusammenarbeit und Zusammenhänge zweier verschiedener Kulturen des europäischen und indischen Raums in detailreicher Ausführung über Kultur, Geographie und Ökologie" auslässt :)

Paar mehr Bilder wären super - fehlt dir da der Webspace fuer? Kann ich dir anbieten!

Gruss Spange

28 September, 2005 01:49

 
Blogger Mafine said...

Wow! Hab mir Tucktucks ganz anders vorgestellt, gut das ich da mal ein Foto seh. Irgendwie kann man des fast nicht begreifen. Wir leben im gleichen Trott und für uns gibt es nichts neues nichts ungewöhnliches. Du bist dort eine solche Besonderheit das kannst du genießen. Das tolle ist glaub ich du bist willkommen und man freut sich das du da bist. Hier wäre ein Fremder wohl eher unerwünscht.
Ich freue mich schon darauf dich zu besuchen und das alles selbst erleben zu können.

28 September, 2005 14:03

 

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home