Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Samstag, September 17, 2005

Little boy and the big city

Gestern Abend war TGIF (Thank God it's Friday) angesagt. Ein bisschen westlicher Flair in der östlichen Welt. Ram hat mir geraten ma ne Auszeit zu nehmen. Der Laden war mir schon fast zu westlich, weil Amerikanisch, und mit den Preisen verhielt es sich leider auch nicht anders. Dennoch hat sich der Abend in 3erlei Hinsicht gelohnt.
1. Ich konnte in Gemütsruhe Cocktails schlürfen
2. Das Essen dort war klasse
3. Ich konnte erste Kontakte zu ein paar Indern knüpfen... Denen war es wohl ein Dorn im Auge das ich alleine da saß. Ehe ich mich versah, war ich in eine hochbrisante Diskussion über F1 (Michael Schumacher ist best!! - No! it's Raikkoenen) verwickelt. Gott sei dank reichte mein allgemeindeutsches F1 Grundwissen aus um die Ureinwohner zufrieden zu stellen. Tatsächlich waren die Jungs super drauf und wir haben uns wunderbar verstanden.
Alles in allem also ein toller Abend... sollte man meinen... Alles hat seinen Preis und was das ganze Indische Essen bisher nicht geschafft hat, daß hat die"All American Chicken Spicy" Pizza fertig gebracht. Hab heute den ganzen Morgen auf dem Klo verbracht (Wenigstens hatte ich noch Lesestoff). Mein Kleiner Freund lässt sich leider nicht mehr blicken... dem sitzt wohl noch der Schreck in den Knochen (gemeint ist der GECKO!).
Nachdem ich mir sicher war, daß nun WIRKLICH nichtsmehr vom gestrigen Essen in meinem Darmtrakt übrig sien koennte, hab ich mich entschlossen endlich mal die Zeit zu nutzen und die Innenstadt von Bangaolre zu erkunden.
Dafuer muss man da natürlich erstmal hinkommen und will man sich nicht in einen Ueberfüllten Bus setzen bleibt einem da eigentlich nur noch das typisch Indische allzwecktransportmittel, das TUKTUK. Vorgewarnt von meinen Reiselektüren und den einheimischen, ging ich nicht ohne Misstrauen auf den erstbesten Fahrer zu. "20 Rupees to the City! - Take you everywhere". 20 Rupien (etwa 35 ct) war fast zu gut um wahr zu sein.... War es dann auch. Ich war kaum eingestiegen als wir auch schon im smoggeplagten Großstadtverkehr in verwinkelte Gässchen abtauchten. Das bedeutet, daß ich nach etwa 15 sekunden Fahrt die Orientierung verlohren hatte und auf gedeih und verderb meinem Fahrer ausgeliefert war.
Wir kamen dann an. Natürlich nicht in der City. Sondern im Shop irgendeiner Company, mitten im Nirgendwo. Ich wollte nicht aussteigen, der Fahrer nicht weiterfahren. Patt. Der Klügere gibt nach - und da der Fahrer eh schon genüsslich mit kollegen einen Kaffee schlürfte und ging ich in das geschäft, im Allgemeinen nichts besonderes ausgestellt, Teppiche Schmuck, Tand und noch 3-4 andere Touristen, die wahrscheinlich genauso dümmlich aus der Wäsche schauten wie ich gerade - immerhin, lieber gemeinsam doof.
Nachdem ich 5 Minuten guten Willen gezeigt hatte, schaltete bei meinem Fahrer die Interne Ampel wohl auf grün (vielleicht auch weil mein Blick sagte "Ich schmeiss deine beknackte Motorriksha um wenn du nicht weiterfährst") und er bequemte sich mich weiterzutransportieren. Ich sagte "no more shops", er darauf "Achselzucken". Ich nochmal "NO MORE SHOPS" er darauf "ACHSELZUCKEN" - daraufhin war bei mir resignieren angesagt. Ich bestach ihn dann mit 10 Rupees mich direkt zur MG road (Zenbtrale Einkaufsstrasse)zu brigen und mir die restlichen shops zu ersparen. Daraufhin endlich eine Reaktion "No more shops? ok! maybe Tomorrow?!" fuck off... Ich beherrsche mich, drücke ihm, endlich angekommen, die 30 Rupees in die Hand (immernoch sehr billig) und Stürze mich ins Stadtgetümmel.
Oder besser, das Stadtgetümmel stürzt sich auf mich. Ein weißer in der City und noch dazu mit Fotoapparat! (ich idiot konnte das ding natürlich nicht daheim lassen, ich moechte ja alles dokumentieren) Offenbar meint jeder Inder, ein gut gekleideter Weisser ist ein Geldautomat mit unbegrenztem Kredit. Nachdem ich 5 Minuten von Händlern überrannt werde und von der Rolex bis zur Gummischlange alles gesehen habe flüchte ich in ein Kaffee. Yay me! Indischer Kaffee überfreundliches Personal, guter Service, keine Verkäufer und ein Capuccino fuer umgerechnet 50 Cent. Das versöhnt mich ein bisschen mit der Stadt. Ich nehme mir ein bisschen Zeit und schaue mir die Passanten an. Dazwischen immer malwieder ein paar unglückliche Touristen die mit den Strassenhändlern Polonese und "Fang den Whitey" spielen.
Irgendwann traue ich mich auch wieder raus und schaue mich auch um. Man gewöhnt sich schnell an das Gezupfe, das penetrante nebenhergelaufe und das "U wanna rolllex ser?" gebrülle. Da kommt ein kleines Kind (vielleicht 3 Jahre) und schaut mich mit großen Augen an. Ich kann nicht wiederstehen ihm Geld in die Hand zu drücken (10 rupees tun nicht weh) und das Lächeln wars wert. Ich muss mich zwingen bei den anderen hart zu bleiben (klappt nicht immer), denn es steht immer mal wieder so ein kleiner Fratz mit großen Augen in der Gegend rum. Natürlich weiss ich, daß die Kohle bei Mama(im besten Fall) abgegeben wird. Aber who cares, die brauchen die paar Cant nun wirklich dringender als ich - Angenehm hier ist, dass man davon ausgehen darf, dass das Geld wirklich fuer Essen ausgegeben wird. Ja, die Leute sind so arm und Alkohol ist teuer.
Nach 2 Stunden in der Stadt habe ich mich an das quirlige Leben gewöhnt und wie so oft in letzter Zeit finde ich gefallen an dem ganzen. Ich würde mich vielleicht nicht jeden Tag hier hineintrauen, aber bei nem Kaffee die Leute beobachten und mit dem ein oder anderen verkäufer einen gemütlichen Plausch halten (Ja, das geht auch! Inder sind wirklich nett) übt unbestreitbar auch auf mich seinen Reiz aus.

Die nächste Überraschung, mein BETT IST DA!

Ram hat alles erledigt, ich greif mir das nächstb este Tuktuk (diesmal 40 Rupees - aber dafuer kein Shop) und fahre zu meiner übergangswohnung, schnell die Sachen gepackt und dann ab in die neue Wohnung.
Mein Bett ist da, ich habe eine Matratze und Kissen. Bettdecke und Bezüge Fehlen noch, aber was solls, ENLDICH an meinem eigentlichen Wohnort angekommen!

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