Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Mittwoch, Oktober 26, 2005

Nachschlag...


Beim durchlesen meines vorherigen Eintrags ist mir aufgefallen, dass noch so vieles fehlt, was ich erzählen wollte. Also habe ich mich entschlossen den Rest doch nicht komplett meinem Siebartigen Gedächtnis anzuvertrauen und noch ein paar Kleinigkeiten hinzuzufügen.

Dass das Bier hier ein leidiges Thema ist, habe ich ja schon ausführlich beschrieben. Dass es allerdings neben dem fiesen Geschmack auch noch andere hinterhältige Eigenschaften besitzt wurde mir erst in Goa vor Augen geführt. Nach der Feier am Samstag folgte ein böses erwachen. Meine unbändige Freude, endlich ein ruhiges Plätzchen ohne Motorenlärm gefunden zu haben, verfliegt schnell als ich herausfinde, wie laut Krähen schreien können (vor allem morgens). Außerdem ist eine Indische Familie in den Raum neben mir gezogen. Wie das Doppelbett im Zimmer die 8(!) Personen verkraftet hat, habe ich nie herausgefunden, allerdings schon, was für einen Lärm die Morgens beim frühstück machen.
So ist die Nacht für mich und Lochlin also ziemlich kurz. Als ich dann versuche aufs Klo zu gehen, bleibt mein Kopf irgendwie am Kissen hängen. Oder besser: Ich bekomme ihn nicht vom Kissen hoch. Ich versuche erstmal den Knopf zu finden mit dem man die Turbine abschaltet die neben meinem Kopf dröhnt - ohne Erfolg. Als ich es dann doch schaffe mich aufzurichten wird das dröhnen abrupt unterbrochen und durch wütendes Hämmern ersetzt, was bei mir den Toter-Mann Reflex auslöst und mich wieder zurücksinken lässt. 10 Minuten später treibt mich dann das Bedürfnis nach einer Toilette doch aus dem Bett. Der Gang zum Klo wird mein persönlicher Kreuzweg. Nach einiger Zeit verlasse ich dann Golgota wieder und schleppe mich auf meine Terrasse. Sonne und frische Luft helfen und nachdem mein Kopf soweit klar ist, dass ich nicht mehr nur durch Reflexe gelenkt werde, beginne ich mich zu wundern was diesen größten anzunehmenden Unfall in meinem Kopf verursacht haben könnte. Zugegebenermaßen waren wir alle in der vorherigen Nacht keine Waisenkinder gewesen, aber es war nicht so, als hätte ich nicht noch laufen können.
Der Mann mit dem Hammer in meinem Kopf heißt Glycerol, ist soweit ich weiß ein Konservierungsmittel und wird hier in absolut unvernünftigen Mengen dem Bier zugeführt. Überführen konnte ich ihn dank Lochlins Reiseführer, der sogar Tipps gibt, wie man das Zeug entfernen kann... Gott sei dank habe ich immer noch Whiskeyvorräte (Ich habe mir von meinem Chef eine weitere Flasche Balvenies aus dem Duty Free mitbringen lassen) auf die ich ausweichen kann.
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Reis ist in Indien wohl das Grundnahrungsmittel schlechthin. In Goa, dessen Klima und Wasserreichtum für den Anbau ideal ist, findet man demensprechend auch überall Felder. Nach der Ernte muss besagtes Naturprodukt erst getrocknet werden. Die findigen einheimischen haben offensichtlich entdeckt, dass der sich schnell erhitzende Asphalt sich dafür bestens eignet. Das hat zur Folge, dass so manche breitere Straße auf einmal einspurig wird. Der Rest wird von Indern beansprucht, die den gerade Ausgelegten Reis mit Argusaugen überwachen und wohl auch bereit sind sich mit den Autofahrern anzulegen. Dass es durch diese Reisblockaden nicht zu größeren Staus kommt, ist wohl dem wenigen Verkehr zu verdanken. Zu Staus kommt es eher wegen den Kühen, die hier ab und an auf der Straße spazieren gehen. Was das für die Hygiene bedeutet mag ich mir nicht ausmalen... Ich hatte dort 2-mal Reis und fand ihn sehr schmackhaft.
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Obwohl Baga ein Touristenort ist und der Strand auch die eindeutigen Zeichen trägt, findet man sogar hier noch Teile des ursprünglichen Lebensstils. So ziehen die Fischer immer noch jeden Morgen ihre kleinen Boote ins Wasser und gehen auf Fischfang. Wenn sie dann kurz vor Mittag wieder kommen, packen alle mit an, ziehen das Boot an den Strand und löschen den Fang, der dann ein paar Stunden später in den Magen eines zufriedenen Touristen wandert.
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Das schon lange ausstehende Kapitel über Frauen in Indien habe ich immer noch nicht geschrieben, allerdings hier vielleicht ein kleiner Vorgeschmack:

In Arangol, eigentlich einem der ruhigeren Strände, begegne ich einer indischen Reisegruppe, die gerade den Strand stürmt. Nach den üblichen Photos, die mit dem Westler gemacht werden, reißen sich die Herren der Schöpfung bis auf die jeweilige Unterwäsche alle Kleider vom Leib und stürzen sich tobend in die Fluten. Der weibliche teil der Gruppe schaut mit großen Augen zu. Ein paar mutige Krempeln die Hosen hoch und staksen unsicher ins Wasser. Ermutigt von dem Anblick traut sich auch der Rest bald auch in die Fluten, aber die Kleidungsstücke bleiben an. Wirklich weit hinaus geht allerdings keiner, was auch daran liegt, dass nicht sehr viele Inder schwimmen können (zumindest abseits der Küstenregionen) und einen Lifeguard wird man hier vergeblich suchen.

Als ich am strand weiter gehe und mich ein bisschen in die Büsche schlage, schrecke ich ein paar indische Pärchen auf, die sich hierher zurückgezogen haben. Freilich sind alle keusch bekleidet, dennoch schauen sie mich immer an, als hätte ich sie gerade beim wilden Liebesspiel überrascht. In Indien gilt es als unschicklich, Zuneigung zum Partner in der Öffentlichkeit zu zeigen. Was man sieht geht über Händchen halten nicht hinaus. Ein Kuss, so wurde mir erzählt, wäre schon der Anlass für ein größeres öffentliches Ärgernis. Die Pärchen die sich also hier zurückziehen sind es meist schon zufrieden einfach unbeobachtet etwas Zeit miteinander unter den Palmen verbringen zu dürfen. Wenn sie wieder daheim sind, werden sie ihre Beziehung wohl wieder vor Eltern, Verwandten und manchmal sogar Freunden verstecken müssen.
Als im indischen Radio "City" unlängst ein Jüngling berichtete er sei auf dem Weg nach Hause zu seiner Freundin, löste das beim Moderator ungläubiges Staunen aus.
Da werden Nadine und ich uns wohl sehr zurückhalten müssen, wenn sie mich hier besuchen kommt.

Montag, Oktober 24, 2005

Unter Palmen...

Mein erster kleiner Trip durch Indien ist vorbei, wie man sieht lebe ich noch und gesundheitlich befinde ich mich in bester Verfassung.

Der Distrikt Goa ist von meinem jetzigen Standort etwa 600 Kilometer entfernt und wurde für den Tourismus zunächst von Hippies entdeckt. Mittlerweile wird man dort auch viele Pauschaltouristen antreffen, die sich dort mit Aussteigern, alt-Hippies, Ravern und Backpackern das gleiche Fleckchen Erde teilen.
Begonnen hat mein Trip mit der Busfahrt und so wie der Fahrer drauf war, hätte es dabei auch bleiben können (LEBENSGEFAHR – SOS!). 16 Stunden über Nacht und „über Stock und Stein“ triffts in dem Fall so ziemlich. Das bedeutet also 16h Dämmerschlaf, aus dem man beim nächsten Schlagloch / Hügel / Schotterhaufen hochschreckt. Besonders erfreulich, auch das regelmäßige scharfe bremsen, wenn wieder was auf der Straße liegt. Da die Sitze nämlich alle in schräger Liegeposition stehen rutscht man dann einfach runter und ist also auch wieder wach. Ich kam also ziemlich missmutig, schlaflos und durchgeschüttelt in Goa an.

Der erste Versuch aus dem Bus auszusteigen scheitert kläglich an 10 Taxifahrern die den Ausstieg ziemlich effektiv verstopfen und mich überreden möchten mit ihnen sonst wohin zu kommen. Auf drängen und schubsen machen sie Platz, darauf hat die örtliche Hitze aber nur gewartet. Das Gefühl das folgt, gleicht dem im Kältebad nach der Sauna, nur umgekehrt. Während ich noch taumelnd in der Hitze stehe, nehmen mich schon die ersten Taxifahrer an die Hand und schieben mich freundlich aber bestimmt zum nächsten Schattenplatz. Zufällig gibt’s da auch einen Sitz und eine Tür und ehe ich mich versehe, bin ich schon auf dem Weg nach Baga, dem populärsten Strand hier in Goa. Auf dem Weg verfliegt die Hitze durch die Zugluft, die Müdigkeit durch die unglaublichen Bilder die sich mir bieten und der Unmut durch die geweckte Abenteuerlust. Außerdem tut auch die schwere süße Luft meinen Lungen gut, die sich schon allzu sehr an den Großstadtsmog gewöhnt haben.
Der Taxifahrer bringt mich zu einem „Freund“ ins Hotel, was den vernünftigen Fahrtpreis erklärt (er wird eine Provision für das vermittelte Zimmer bekommen). Ich bezahle aber nicht die 30 Euro pro Nacht und suche mir dann auf eigene Faust eines. 100meter vom Strand, mit (zugegeben etwas eingeschränktem) Blick aufs Mehr und Klimaanlage für 12€ - da simma dabei.

Das Personal ist überfreundlich und besorgt mir alles was ich brauche, inklusive Wasser, Klopapier und Mietroller. Dieser Probleme entledigt, nehme ich ein Bad im Meer und bin wohl das erste Mal an dem Tag rundum zufrieden und glücklich. Mitten im deutschen Herbst, bei 32Grad im lauen Meerwasser planschen, was will man mehr? Abends fahre ich noch ein bisschen mit dem Roller durch die Gegend, ich habe für den nächsten Tag eine Tour durch Nordgoa geplant und sollte wohl mal schauen, wo bei meinem Roller vorne und hinten ist. I
mmerhin ist das ja meine erste Beziehung mit einem motorisierten Zweirad. Wider erwarten, hatte ich allerdings überhaupt keine Probleme. Anfangs zwar noch etwas wackelig auf dem Sitz wird man schnell sicherer und schnell fahren ist im Abenteuerspielplatz Goa sowieso ausgeschlossen.
Für mein leibliches Wohl sorge ich am Strand. Die „Beach shacks“ verkaufen allerlei Leckereien und haben ihre Tische nur 20 Meter vom Wasser entfernt im Sand aufgebaut, der Ideale Platz also für ein kühlen Bier und einen Plausch mit den einheimischen.

Der nächste Tag startet wiederum mit einem Bad im Meer (man darf neidisch sein) und führt mich dann in die entlegendsten Winkel und an die einsamsten Strände. Ich schrecke vor keiner Schotterpiste zurück und werde dafür durch ein paar der schönsten Anblicke entlohnt, die ich in meinem Leben haben durfte. Wehende Palmenhaine, dichter Dschungel , kleine Fischerdörfchen, exotische Vögel, Affen, Elefanten und Wildschweine (und natürlich auch die allgegenwärtigen Kühe).

Abends habe ich dann genug vom alleine sein und mit ein wenig Glück gelingt es mir, einen US Backpacker (Lochlin 20) und einen kanadischen Lebemann (Vendor 27) aufzutreiben.
links Vendor, rechts LochlinMit denen wird dann gefeiert bis spät in die Nacht. Der Backpacker kommt bei mir unter und wir bleiben auch noch den ganzen nächsten Tag zusammen bemerkenswert ist, dass uns in der ganzen Zeit nicht einmal der Gesprächsstoff ausgeht. Als wir dann auch noch die Londoner Aussteigerin Clarice kennen lernen ist es mit dem geruhsamen Sonntag sowieso vorbei.

(Alleine die Geschichte wie sie sich ihr Bein beinahe gebrochen hat und daraufhin von „Freunden“ im Zimmer eingeschlossen wurde, war köstlich genug um uns eine Stunde bei Laune zu halten).

Viel zu schnell ging es dann heute Nacht wieder nach Hause. Der Busfahrer, diesmal vielleicht unter Drogen, oder angesteckt vom Goanischen Lebensstil, fährt mehr wie ein Busfahrer und weniger wie ein Dampfwalzenbesitzer, was für mich bedeutet, dass ich im Bus sogar ein bis zwei Stunden Schlaf bekomme.


Fazit ist, dass Goa die Strapazen der Fahrt mehr als wert war. Als Zugabe zu den paradiesischen Eindrücken von dort, nehme ich auch noch einen ganzen Haufen Backpackertips mit zurück nach Bangalore, die mir bestimmt während meiner weiteren Trips behilflich sein werden. Lochlin kommt mit 20 Dollar am Tag ohne Probleme aus, darin enthalten sind Unterkunft und Reisekosten. Also wenn da nicht auch euch der Gedanke kommt es mal mit Indien zu versuchen…

Mein Wasser hier funktioniert tatsächlich. Es mangelt vielleicht noch etwas an Druck, aber angesichts der bisherigen Probleme, ist das kaum ein Grund sich zu beschweren.

Technisches:
Aus mir bisher unerfinldichen Gründen kann ich im Moment keine weiteren Bilder hochladen, ich werde es aber natürlich weiterhin versuchen.

Die Kommentare habe ich auf einen Tip von tlaier hin umgestellt. Jetzt kann jeder, auch ohne sich anzumelden, seine Gedanken zum geschriebenen äußern. Einfach unter dem Text auf Comments klicken.


Grüße

Ulrich

Donnerstag, Oktober 20, 2005

Die Umgebung hier wird rapide lebensfeindlicher.

Zusätzlich zu Dauerregen, Dauergehupe und DauerMoskitoattacken scheint mein Boiler nun dauerhaft seinen Geist aufgegeben zu haben. Das bedeutet, daß ich für eine gewisse dauer KALT duschen werde. Von welcher Dauerhaftigkeit das sein wird hängt von der Zeitspanne ab die es dauert bis der Installateur vorbeischaut. Da wir schon für die Dauer von mehreren Wochen versuchen so was herzubekommen befürchte ich, dass es an Dauerhaftigkeit nicht mangeln wird, bis der Kaltdusch-Katastrophenzustand ein Ende findet.

Habe ich schon erwähnt, daß ich es hasse kalt zu duschen?

Nur gut, daß ich heute Abend ins sonnenverwöhnte Goa verschwinde, die Badehose im Gepäck und die Dusche zu Hause.

Nächste Station: Meer.

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Update:

ich sollte mich vielleicht öfter im Blog über die Mißstände hier beschweren. Heute Nachmittag ist der Klempner aufgetaucht. Das Wasser geht wieder bei mir im Bad (der Vermieter hat den Hahn wieder aufgedreht -.-) Und meine Kloschüssel haben sie rausgerissen. Mein Bad sieht jetzt aus wie ein Schlachtfeld, aber immerhin darf ich hoffen, daß alles funktioniert bis ich wieder da bin.

yay me
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Montag, Oktober 17, 2005

Ich habe malwieder ausgeschlafen. Ganz oft sogar. Dieses Wochenende habe ich unterm Strich auch garnichts anderes gemacht als zu schlafen, dem Regen zuzuschauen, mich über Stromausfälle zu ärgern und WoW zu spielen. Ich sehe also der kommenden Woche sehr relaxed entgegen. Fürs nächste Wochenende habe ich etwas größeres vor. Ich werde versuchen ein bißchen die Umgebung zu erforschen. Durch meinen Einsatz in der letzten Woche bekomme ich einen extra-freien-Tag, was hier anscheinend eine ziemlich große Sache ist. Jeder von uns lässt es etwas ruhiger angehen. So kam Ram heute erst um 12 ins geschäft und Muthu ist gar nicht erst erschienen (ist auf Grippefreizeit).

Das Ziel für meinen Trip steht noch nicht fest, aber alleine die Planung macht schon einen riesen Spass. So wies ausschaut werde ich in einem der nächsten Einträge über Busfahren, Strassenverhältnisse und Dorfkultur in Indien berichten können.
Mit meiner Wäsche wird es so langsam wieder knapp... schlecht, da die Kommunikation mit unserer Haushäterin sich auf Hände und Füße beschränkt und Rama, der Domlmetscherfunktionen übernehmen könnte, sich zu der Zeit in der sie putzt noch im Land der Träume befindet. Während der Held seiner träume wohl gerade einen Drachen erschlägt und die Jungfrau befreit, schlage ich mich weiterhin mit meinen Alltagsproblemen herum. Das Wasser in meinem Bad weigert sich nämlich weiterhin die Leitung zu verlassen um wie vorgesehen auf meinen Kopf oder in die Toilettenschuessel zu fallen. Da sich der Klempner ebenfalls weigert die ihm vertraute Umgebung zu verlassen und das Wasser zum fließen zu bringen, wird mein Notstand, der mittlerweile in die 6. Woche geht, wohl noch eine Weile andauern.

Mit unseren Moslems habe ich in der Zeit in der sie hier arbeiteten ein sehr gutes Verhältnis entwickelt. Sie haben mich sogar zum Essen eingeladen. Ich weiß, daß der Sonnenuntergang hier im Moment um exakt 6:08 Uhr abgeschlossen ist. Ich weiß das deswegen, weil ich in die hungrigen Augen eines Arbeiters geschaut habe, der den ganzen Tag weder gegessen, noch getrungen, noch seinen Speichel heruntergeschluckt hat. Alles was zählte in diesen Minuten war das Umspringen der Uhr auf 6:08. Danach wurde ohne hast, fast andächtig, das Essen geteilt und gegessen.

Wie man sieht, geschieht das auch hier auf dem Boden. In unserem Fall auf Pappe und Zeitungen. Auf dem Tisch liegen viele Früchte und ein paar Teigwaren. Obwohl ich selbst den ganzen Tag nichts gegessen habe, halte ich mich zurück, weil ich Angst habe, den Leuten was wegzuessen, aber im Gegenteil. Es bleibt sogar einiges übrig. Auf mein Anfragen wird erklärt, daß man einfach nicht so viel essen KANN, will man alles bei sich behalten. Alles in allem stellt die Zeit eine ziemliche Herausforderung an Körper und Geist. Vergleicht man das mit unserer Fastenzeit kann man diese Leute nur bewundern.

Ich habe noch kein Photo von einem Inder, auf dem dieser lächelt. Selbst das strahlendste Lachen verwandelt sich vor der Linse sofort in eine würdevolle Mine. Auf die Frage warum ernte ich ein Schulterzucken, ich werde aber dem ganzen noch weiter auf den Grund gehen.

Hier Sameel (links) und Muthu. Sameel, der sehr westlich eingestellt ist, erlaubt sich immerhin, den rechten Mundwinkel etwas nach oben zu ziehen. Ich habe allerdings keine Erklärung warum Muthu schaut, als wollte ihn die Kamera beissen...

Damit und mit dem versrechen auf baldige weitere Uptdates, schließe ich für heute.

Haltet die Ohren steif.

P.s.: Ich beneide euch etwas um das Gulasch... die letzten tierischen Produkte, die ich mir zugeführt habe, entstammten einer Dose Leberwurst, die aus mir unerklärlichen Gründen unter Druck stand, so dass sie direkt nach dem Öffnen explodiert ist. Das Ergebnis war, daß ich aussah wie ein Actionheld in einem Splattermovie, bei dem der Requisiteur es mit den Blutkonserven verbockt hat. Und leider nicht nur ich, auch der Schreibtisch, der Boden usw... Better luck next time... da ist dann Blutwurst dran, das passt besser.

Donnerstag, Oktober 13, 2005

Endlich malwieder ausschlafen

... wäre angesagt.

Wir haben gestern und heute Feiertag, was bedeutet, daß wir eigentlich frei hätten. Leider kommen uns da die Laptops (650) in die Quere, die bis Montag wieder in Deutschland sein müssen. Im klartext heisst das, daß ich eigentlich seit zwei Tagen ausser Arbeiten nichts gemacht habe. (Naja, unterbrochen von 2 mal 4h Schlaf und gestern nacht konnte ich nebenher ein bueschen WoW daddeln). Schade drum, meine Kollegen haben mir nämlich vorgeschwärmt was für tolle Feste gerade stattfinden...
Die Arbeit ist denkbar simpel. 650 Labtops formatieren, XP installieren, Treiber installieren, fertig. Leider haben wir keine Netzwerkmöglichkeiten und können so keine Netzwerkinstallation starten => wir machen das hier WIRKLICH ALLES von Hand.

Wie man sieht macht Muthu die zweite Nachtschicht etwas zu schaffen (nach 3 Uhr nachts schläft der glaube ich überall - hier gerade mit dem Kopf auf dem Tisch)

Trotz solcher Widrigkeiten kommt die Religion nicht zu kurz. Bei allem Stress haben meine Kollegen gestern doch noch die Zeit gefunden unser Haus, das Equipment und ihre fahrbaren Untersätze zu segnen.
Dafür wird eine Schale mit Opfergaben und gewürzen gefüllt. ein Teil wird entzündet und mit dem daraus entstehenden, wohlriechenden Rauch die Bude beweihräuchert (Und das Auto und der Computer usw.). Das hält ewig - heute, einen Tag später duftet das Büro immernoch.

Autos , Motorräder und Gebäude werden ausserdem mit einer Paste bestrichen und besprenkelt und reich mit Blumen geschückt (Mein Labtop ist nochmal davon gekommen). Auf der Strasse bietet sich einem dadurch so manch wundersamer Anblick.

So ist gestern ein Ford Transit an mir vorbeigerauscht, das Maximalgewicht von den mitgenommenen Indern augenscheinlich hoffnungslos überschritten und der Kühlergrill geschmückt mit Palmwedeln. Man würde vermuten, daß man dabei die Blätter nach unten zeigen lässt, allerdings ist dem Inder der Schmuck wohl wichtiger als die freie Sicht und um ein ästhetisch einwandfreies Ergebnis zu erhalten müssen die Wedel eben nach oben zeigen... Gebetet wird übrigens für persönlichen Erfolg und Erfolg der Firma. Nachdem wir mit den Labtops hier haufenweise Probleme habe sollte das besser funktionieren...


Ebenfalls religiös sind die Moslems, die uns im Moment helfen die Labtops fertig zu machen. Es ist Ramadan und so wird hier den ganzen Tag nichts gegessen. Ausserdem sind die leute offensichtlich grundehrlich während dieser Zeit (auf die Anfrage, ob man das Servicepasswort auf einem Rechner nicht knacken konnte kam dem IT Spezialisten nur ein erschrockenes "Not this Month!" über die Lippen). Aus solidarität, Zeitmangel und weil keiner im Regen herumlaufen moechte, essen wir tagsüber auch nichts (Ich würde ja, aber meine persönlichen Vorräte sind aufgebraucht und ich habe keine Lust zum Supermarkt zu schwimmen).
Es regnet im Moment sehr stark, da ein Wirbelsturm die Küste heimsucht und wir gerade seine Ausläufer zu spüren bekommen. Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür und so bleieb ich zu Hause und schicke nur den Muthu ab und an nach Hause, wenn er mir wieder auf dem Tisch zusammenbricht.

Grüßt mir den Rest

Ulrich

Montag, Oktober 10, 2005

Kurzupdate

War etwas schreibfaul die letzten Tage, hier also ein Kurzupdate, bis mich wieder die Muse küsst. Donnerstag Nacht kam die Deutsche Geschäftsführung hier an und hat erstmal alles auf den Kopf gestellt. Mit denen waren wir dann auch supernobel in einem Afghanischen Restaurant. Naja, Muthu und ich vielleicht nicht ganz so nobel, wir wurden auf dem Hinweg mit dem Motorrad von einem ausgedehnten Platzregen überrascht. Folglich standen wir dann wie begossene Pudel in der EIngangshalle und der Portier hat auch noch den Nerv zu fragen: "U wet?". Argh. Wir haben uns dann in der Toilette unterm Heißlusftfön etwas getrocknet und sind dann raus zu den anderen an den Pool ´zum futtern (draussen war wärmer als drinnen zwecks AC). War ein netter Abend, da könnte man sich glatt dran gewöhnen. Heim gings dann stilecht mit einem Ambassador, das ist eine hiesige Automarke, mit der jeder, der sichs hier leisten kann herumkutschiert wird.

Ansonsten war ich gestern noch im Lal Bagh garden. Ein kleines botansiches Gärtchen im Süden der Stadt, der Besuch wurde mir allerdings von anhaltendem Regen und stressigen Tuktukfahrern gehörig vermiest, ich hab dennoch ein paar Bilder gemacht.

Die dortige´Tier und Pflanzenwelt unterscheidet sich allerdings kaum vom Cubbon Park. Dafuer gibt es dort einen See (der nicht müffelt). Baden ist allerings verboten. Als ich die erste Wasserschlange am Ufer entlanggleiten sehe, weiß ich auch warum.

War gestern in einer Lounge, musste da an den Bobby denken, der hätte sich dort bestimmt wohl gefühlt. Ich kam mir allerdings etwas underdressed vor, neben all den gestylten BodybuilderIndern und bin nach einem Bierchen wieder geflüchtet.

Grüßt mir den Rest

Ulrich

Dienstag, Oktober 04, 2005

Bilder, Bilder, Bilder

Motto ist klar. Ich habe am Sonntag meine Wäsche von Hand gewaschen, weil meine Putzfrau sich 6h (!) verspätet hat und ich nach 3h irrtümlicherweise(?!) gedacht hatte sie kommt nicht mehr. Nach 2h bin ich dann einigermaßen Herr des Seifeninfernos im Bad geworden und habe meine Wäsche leidlich sauber bekommen (naja, zumindest müffelt sie nicht mehr) Allerdings hab ich noch selten so geschuftet wie in den 120 Minuten Waschen. Bestimmt hab ich mich total bescheuert angestellt. Allerdings war keiner da, der ein professionelles Urteil abgeben hätte können, ich war ausnahmesweise mal ganz alleine (Kakerlagken und Ameisen haben sich verzogen als der Wasserspiegel im Bad zu steigen begann :P)
Das Aufhängen der Wäsche war auch nochmal so ne Aktion, aber von vorne.

Utensilien und Örtlichkeit des Manövers:



Das ist mein Ausweichbad (hier geht das Wasser, das Bad befindet sich aber nicht in meinem Zimmer)Da ich also nur hier an genügend heißes Nass kam, musste ich die Wascherei hier erledigen. War auch ganz praktisch, so konnte ich das SChmutzwasser dem Klo zuführen.

Mein Bad vorm Aufhängen der Wäsche:







Das ist jetzt also MEIN Bad, aber hier funktioniert leider Weder die Dusche, noch die Klospülung, das wird hoffentlich im laufe der Woche behoben. Da aber eh noch nichts funktionert hab ich mir gedacht ich spann mal ein paar Schnüre zum Wäsche aufhängen (=



--- soviel also zur Wäsche wasch Aktion. Ich hoffe das läuft in Zukunft etwas reibungsloser und ich werde wohl auch meiner Putzfrau das nächte mal wenn SIE wäscht genau über die Schulter schauen.

Nun noch ein paar Bilder vom Office:

Mein Bett



Meine Schrankwand mit Zugang zum Bad



Unser hauseigener Schrein



Dazu hab ich noch gernichts gesagt... Die religiösen Inder ( und ich habe noch keinen getroffen der nicht religiös wäre) beten mindestens ein Mal am Tag in ihrem Schrein. Ausgelassen wird das niemals. Dazu wird dann ein kleines Öllämpchen und Räucherstäbchen angezündet und meistens werden noch frische Blumen vor den Schrein gelegt.

Das eigentliche Office:



Im Moment noch nicht viel los, aber zum nächsten Monat fangen hier noch 15 weitere Leute an, dann wird es etwas enger. Der Mann da hinten am Schreibtisch ist übrigends Rama, mein Chefe.

Mein Arbeitsplatz



Hier sitze ich auch oft Abends, wenn ich nach Hause telefoniere oder WoW daddle.

Vorerst sind die Bilder nur vom Office, weil ich mich aus bekannten gründen noch nicht getraut habe die Cam mit in die Stadt zu nehmen. Bilder von Bangalore folgen aber noch.