Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Montag, Oktober 17, 2005

Ich habe malwieder ausgeschlafen. Ganz oft sogar. Dieses Wochenende habe ich unterm Strich auch garnichts anderes gemacht als zu schlafen, dem Regen zuzuschauen, mich über Stromausfälle zu ärgern und WoW zu spielen. Ich sehe also der kommenden Woche sehr relaxed entgegen. Fürs nächste Wochenende habe ich etwas größeres vor. Ich werde versuchen ein bißchen die Umgebung zu erforschen. Durch meinen Einsatz in der letzten Woche bekomme ich einen extra-freien-Tag, was hier anscheinend eine ziemlich große Sache ist. Jeder von uns lässt es etwas ruhiger angehen. So kam Ram heute erst um 12 ins geschäft und Muthu ist gar nicht erst erschienen (ist auf Grippefreizeit).

Das Ziel für meinen Trip steht noch nicht fest, aber alleine die Planung macht schon einen riesen Spass. So wies ausschaut werde ich in einem der nächsten Einträge über Busfahren, Strassenverhältnisse und Dorfkultur in Indien berichten können.
Mit meiner Wäsche wird es so langsam wieder knapp... schlecht, da die Kommunikation mit unserer Haushäterin sich auf Hände und Füße beschränkt und Rama, der Domlmetscherfunktionen übernehmen könnte, sich zu der Zeit in der sie putzt noch im Land der Träume befindet. Während der Held seiner träume wohl gerade einen Drachen erschlägt und die Jungfrau befreit, schlage ich mich weiterhin mit meinen Alltagsproblemen herum. Das Wasser in meinem Bad weigert sich nämlich weiterhin die Leitung zu verlassen um wie vorgesehen auf meinen Kopf oder in die Toilettenschuessel zu fallen. Da sich der Klempner ebenfalls weigert die ihm vertraute Umgebung zu verlassen und das Wasser zum fließen zu bringen, wird mein Notstand, der mittlerweile in die 6. Woche geht, wohl noch eine Weile andauern.

Mit unseren Moslems habe ich in der Zeit in der sie hier arbeiteten ein sehr gutes Verhältnis entwickelt. Sie haben mich sogar zum Essen eingeladen. Ich weiß, daß der Sonnenuntergang hier im Moment um exakt 6:08 Uhr abgeschlossen ist. Ich weiß das deswegen, weil ich in die hungrigen Augen eines Arbeiters geschaut habe, der den ganzen Tag weder gegessen, noch getrungen, noch seinen Speichel heruntergeschluckt hat. Alles was zählte in diesen Minuten war das Umspringen der Uhr auf 6:08. Danach wurde ohne hast, fast andächtig, das Essen geteilt und gegessen.

Wie man sieht, geschieht das auch hier auf dem Boden. In unserem Fall auf Pappe und Zeitungen. Auf dem Tisch liegen viele Früchte und ein paar Teigwaren. Obwohl ich selbst den ganzen Tag nichts gegessen habe, halte ich mich zurück, weil ich Angst habe, den Leuten was wegzuessen, aber im Gegenteil. Es bleibt sogar einiges übrig. Auf mein Anfragen wird erklärt, daß man einfach nicht so viel essen KANN, will man alles bei sich behalten. Alles in allem stellt die Zeit eine ziemliche Herausforderung an Körper und Geist. Vergleicht man das mit unserer Fastenzeit kann man diese Leute nur bewundern.

Ich habe noch kein Photo von einem Inder, auf dem dieser lächelt. Selbst das strahlendste Lachen verwandelt sich vor der Linse sofort in eine würdevolle Mine. Auf die Frage warum ernte ich ein Schulterzucken, ich werde aber dem ganzen noch weiter auf den Grund gehen.

Hier Sameel (links) und Muthu. Sameel, der sehr westlich eingestellt ist, erlaubt sich immerhin, den rechten Mundwinkel etwas nach oben zu ziehen. Ich habe allerdings keine Erklärung warum Muthu schaut, als wollte ihn die Kamera beissen...

Damit und mit dem versrechen auf baldige weitere Uptdates, schließe ich für heute.

Haltet die Ohren steif.

P.s.: Ich beneide euch etwas um das Gulasch... die letzten tierischen Produkte, die ich mir zugeführt habe, entstammten einer Dose Leberwurst, die aus mir unerklärlichen Gründen unter Druck stand, so dass sie direkt nach dem Öffnen explodiert ist. Das Ergebnis war, daß ich aussah wie ein Actionheld in einem Splattermovie, bei dem der Requisiteur es mit den Blutkonserven verbockt hat. Und leider nicht nur ich, auch der Schreibtisch, der Boden usw... Better luck next time... da ist dann Blutwurst dran, das passt besser.

1 Comments:

Blogger Far said...

Na endlich der allwöchentliche montags blogg kommt doch noch!
Unser ulf ist doch noch nicht untergegangen!
Nicht so schreibfaul mein freund wir warten doch alle immer auf neue Robinson Benz geschichten aus dem fernen Indien.

Liebe Grüße ausm Schwobenländle
Florian

17 Oktober, 2005 13:44

 

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home