Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Dienstag, November 29, 2005

Schlangen!!

In den schier unendlichen Weiten Indiens sucht der unendlich geduldige Ulrich immernoch nach seinem Weg durch den hiesegen Dschungel bestehend aus Religion, exotischer Flora, Kultur und Muell. Bewaffnet nur mit der imaginaeren Machete meines europaeisch gepraegten Geistes und meinen Fuessen (wenn was schieflaeuft, mir jemand nachlaeuft, oder die Zeit davonlaeuft, laufe ich einfach weg). Nach wie vor fuege ich meinem Schatz aus gesammelten Erfahrungen taeglich neue Kleinode hinzu und einige wenige davon (ich will ja auch noch was anderes machen als Bloggen) finden dann den Weg auf meine kleine Internetseite, also euer Wohnzimmer, Buero oder Wo-auch-immer-ihr-das-hier-gerade-lest.

Durch alle meine bisherigen Erlebnisse hindurch war mir eines eigentlich immer als unumstoessliche Wahrheit bewusst und wurde nie angezweifelt. Die Inder sind tierisch wahnsinnig unglaublich nett. Was haette ich auch anderes denken sollen, nachdem ich noch nicht ein Exemplar getroffen hatte, dass mich vom Gegenteil ueberzeugen konnte. Naja, Bettler und notorische Touriausnehmer koennen einem tierisch auf die Nerven gehen, aber immerhin versuchen sie nicht nur in den seltensten Faellen koerperliche Gewalt anzuwenden um an die begehrten Rupees zu kommen.

Allerdings gibt es eine Sache, die sie alle zu Berserkern werden laesst. Ein Ding, das die Gemueter der ansaessigen Durchschnittsinder in den gedanklichen Zustand eines gereizten Arenabullens versetzt.
Ein Buffet.
Es folgt die Beschreibung einer Szene in einem Indischen Luxushotel, bei dem es im Zuge einer Autoshow warmes Essen umsonst gab.

Es ist wie in einer schlechten Satire von Braveheart. Die inder uebernehmen den Part der Schotten und dem Buffet samt Leute an der Essensausgabe kommt die Rolle der Englaender zu. In dieser Schlacht wird es viele Opfer geben, aber wer letztendlich obsiegt ist schon im Vorraus klar.
Eine wogende Masse schiebt sich unaufhaltsam auf das wartende Buffet zu. Bewaffnet mit Gabel, Servietten und Tellern (die Vorhut des Buffets hielt dem Ansturm keine 2 Minuten stand) prallt die Wand aus leibern schliesslich gegen die Tische des Buffets, wo sie von eingeschuechterten Kochs mit Langen Loeffeln auf Distanz gehalten wird. In erster linie geht es nur darum irgendetwas zu erhaschen. Wer lange Arme hat, schiebt einfach seinen Teller so weit es geht in Richtung des aufgebahrten Essens. Ellenbogen sind ein weiterer Garant fuer eine schnelle Nahrungsaufnahme. Als der Staub sich legt und die ersten paar hundert Maeuler gestopft sind versuche ich es auch mal.
Mit Schlange stehen.
Ich kam mir vor wie ein Missionar unter Kannibalen. Nach 10 Minuten auf der Stelle stehen bringe ich mein Koerpergewicht zum Einsatz und nach weiteren 10 schiebe ich einfach alles aus dem Weg was ungluecklich genug ist, zwischen mir und meinem Essen zu stehen. Bevor ichs mich versehe bin also auch ich missioniert. Nach der ganzen Aktion ist mir auch etwas uebel, so dass ich das ergatterte Essen nicht ganz aufesse.
Eine weitere Stunde spaeter ist die Schlacht geschlagen. Die anwesenden sind satt und das einstmals wunderschoen angerichtete Buffet ist zum einen voellig leer und zum anderen voellig verwuestet.

Fuer mich, also durchschnittsmitteleuopaeer gehoert schlange stehen einfach dazu und ich kann mir nicht helfen, draengelt sich jemand vor mache ich ihn darauf hoeflich aber bestimmt aufmerksam.... Nur was mache ich nun wenn sich fuenf Leute einfach vor mich schieben? Mit der Ruecksichtslosigkeit einer Dampflock schubst sich die anonyme Menge am (in diesem Fall) braven Deutschen vorbei und hinterlaesst den Eindruck, dass wohl doch noch etwas Dritte-Welt flair uebrig ist in der Upper - Society - Welt Indiens.

Wenn ich den Caterer erwische der fuer das Chaos zustaendig war werde ich ihn fragen warum ein Buffet fuer 500 Inder gerademal 10m lang sein darf. Und warum die Bar fuer die gleiche Menge an leuten genau halb so breit ist. Ich vermute der hat schon vorher gegessen. Ich werde auf jeden Fall vor meinem naechsten Fest auch wieder etwas zu mir nehmen und mir die Wildtierfuetterung aus sicherer Entfernung anschauen.

Die eben geschilderten Zustaende gelten natuerlich nicht nur fuer die Essensausgabe. Das gibts auch in der Bahn, am Bus, dem Kartenschalter, im Kino etcetc.

Wir stehen in der Schlange weil wirs von Geburt an so gelernt haben und das schon automatisch passiert. Die Inder lernen von Geburt an, wer sich nicht durchsetzt ist immer letzter. Als Geschaeftsphilosophie tauglich, aber im Zuge des privaten zwischenmenschlichen Umgangs fuer mich aeusserst unbefriedigend. Nur ein kleiner Punkt im grossen Gefuege der Dinge die noch zu aendern waeren in Indien.

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Ulrich

Montag, November 21, 2005

Hallo Welt,

ich bin gerade ueber ein Stueckchen Netzkultur gestolpert, dass ich euch unmoeglich vorenthalten kann (okok ich hab den Link aus dem "@alles wird gut" blog geklaut). Als ich die angehaengten MP3 files gehoert hab, bin ich vor lachen auf dem Stuhl zusammengebrochen. Wenn ich ein Beispiel dafuer nennen muesste, dass Lachen ansteckend ist, tadaa, hier ist der link.
Ja, schuldig, ich bin ein suechtiges Kind der Blog Gemeinde.

Aber auch aus Indien gibt es Neuigkeiten. Dank viel oertlicher Hilfe stosse ich weiter in uneahnte Dimensionen und Abgruende des indischen Nachtlebens vor. So habe ich mich diesen Sonntag unverhofft auf einer Modenschau wiedergefunden. Eigentlich bin ich nur ziel und planlos durch die naehere Umgeung gestiefelt um einen Nachtclub zu finden, der sich dann als Pizzeria entpuppt hat. Also Caprese und Pizza statt House und HipHop, aber lecker wars allemal und das „Little Italy“ hat sich definitiv auf meiner „ich goenn mir mal was“ Restaurantliste etabliert. Mit wohl gefuelltem Bauch gehts weiter und irgendwann lande ich im Leelas Palace, einem Szenehotel. Drinnen soll sich so weit ich weiss ein guter Club befinden und so trete ich ein – und verlaufe mich nach den ersten paar Metern. So gruendlich, dass ich nichtmal mehr weiss wo der Ausgang ist. Nachdem ich das Wachpersonal nach dem Weg zur Party frage (leider ist das Personal des englischen nicht so maechtig wie es hilfreich ist) lande ich auf einer sehr offiziell aussehenden Veranstaltung auf der ein Haufen schraeger Voegel rumrennt. Aus einem Raum vor mir droehnt House Musik und ich denke, hier bin ich richtig. Irritierend ist der Kellner, der mir mit einer Neigung des Kopfes ein Tablett mit gebratenen Shrimps am Spiess hinhaelt und offensichtlich erwartet das ich mich bediene. Ich lasse mich nicht bitten und denke ich gehe noch einen Schritt weiter und besorge mir ein Getraenk zum unverhofften kulinarischen Schmankerl.
Ich versuche so dazugehoerig wie moeglich auszusehen und laufe einfach mal am Sicherheitspersonal vorbei in die Halle. Modenschau, Lichter und ein DJ neben dem Laufsteg ders krachen laesst. Also kein Club, aber immerhin auch nicht schlecht. Ich lasse mich nieder und betrachte eine Zeitlang die menschlichen Schaufensterpuppen auf dem Laufsteg, bevor ich mich dann endgueltig aufmache den Club zu finden.

Was hier passiert beschreibt ziemlich gut die Vorteile die ich aufgrund meiner weissen Haut hier geniesse. Von den verantwortlichen kam keiner auf die Idee mich nach meiner Einladung zu fragen. Oder falls sie auf die Idee kamen haben sie den Gedanken wohl verworfen. Ein weisser und eine oeffentliche Veranstaltung, das gehoert eben zusammen. Ebenso oeffnet mir das auch den ein oder anderen Nachtclub in den man normalerweise nur mit weiblicher Begleitung hinein duerfte. Generell faellt es einem mit ein wenig Geschick im normalfall ziemlich leicht einen Sicherheitsbeamten zu ueberreden mal ein Auge zuzumachen (backshish hilft natuerlich auch).

Mein eigentliches Ziel habe ich uebrigens auch noch gefunden (dort war Salsa Night) – ein wenig exzentrisch dort, aber definitiv einen weiteren Besuch wert.


Zu meinem Laptop:

Targa hat sich gemeldet und mir offenbart, dass die Maschine nur in den Laendern abgeholt wird in denen sie auch vertrieben wird und dazu gehoert Indien nun leider nicht. Sieht wohl so aus als muesste ich fuer den rest meiner Zeit hier komplett auf meinem Laptop verzichten.


More to come,

Ulrich

Freitag, November 18, 2005

Kurzupdate

Der Winter hat uns eingeholt und in der Nacht wirds teilweise wirklich etwas frisch (vermute so 15-18 Grad). Tagsueber ist es allerdings wunderschoen. Morgens werde ich von blauem Himmel und Sonnenschein geweckt und durch die etwas milderen Temperaturen fuehle ich mich mittlerweile auch in der Sonne pudelwohl. I can see clearly now the rain is gone!

Quizfrage:

Warum geht hier in Indien 3-10 mal am Tag der Luftalarm los?

Wer ab und an mit mir telefoniert wird schon meine Bemerkungen drueber gehoert haben. Ich dachte bisher, dass das etwas mit der hiesigen Airbase zu tun hat (bei dem Zustand der strassen hier wuerde es mich nicht wundern wenn das ein oder andere Flugzeug beim Start- oder Landeversuch ueberraschend das Fahrwerk liegenlaesst.)
Ich dachte auch an ein Essenssignal oder sowas.

Heute habe ich von Ram die Wahrheit erfahren. Viele hiesige Unternehmen machen die Pausen und Schichtzeiten so bekannt. Er kann mir allerdings nicht erklaeren warum das auch der kompletten Nachbarschaft mitgeteilt werden muss.

Positiv an indischer Musik: Ich habe mich mittlerweile daran gewoehnt und wippe auch ab und an mal mit dem Fuss dazu. (ziemlich klar, hatte ja kaum eine Wahl, wenn ich nicht andauernd die Batterien von meinem ueberstrapazierten MP3 player wechseln wollte. Ausserdem findet die Tortur auch im Buero kein Ende, da Muthu leidenschaftlicher Saenger ist und sobald er mal nicht telefoniert eigentlich immer ein Lied auf den Lippen hat. Also heisst es entweder mitmachen oder wahnsinnig werden)
Ebenfalls positiv, mit der Musik gewoehnt man sich auch an die muslimischen Turmschreier (Gebetsaenger?) die hier vor allem an Ramadan pflichtbewusst ihren job taten.

Photos kann ich im Moment leider keine neuen mehr hochladen, da mein Laptop (mit Kartenleser fuer die Kameraspeicherkarte) sich ja entschlossen hat seine Existenz unter meiner Herrschaft endgueltig zu beenden. Ich habe allerdings eine Email an TARGA geschrieben, in denen ich sie aufden Garantiefall aufmerksam mache. Bin mal gespannt ob die damit gerechnet haben das einer ihrer Kunden mit ihren Laptops nach Indien faehrt als sie vollmundig ihre weltweite pick-up and return Garantie versprachen. Man darf gespannt sein wie sich das entwickelt (habe gerade Mittermaier im Kopf der den American Express replacement service beschreibt - Wers nicht kennt: Mittermaiers Zapped Vido anschauen. Es lohnt sich).

Mein Wochenende startet jetzt, neuentdeckungen werden natuerlich umgehend gepostet.

More to come,

Ulrich

Mittwoch, November 16, 2005

In der Hitze der Nacht...

Ich weiss ich weiss, die Abstaende zwischen meinen Eintraegen warden immer laenger. Aber deswegen lasse ich mein kleines Projekt nicht voellig im Stich. Im Gegenteil. Ich ertappe mich nach wie vor, wie ich alles was mir passiert in Anekdoten ummuenzen moechte. Wenn ich drueber nachdenke, wird fuer mich einfach in letzter Zeit alles zum Alltag hier. Ich konnte die letzten zwei Wochen ohne Schock und Unglauben durchleben und das will schon was heissen.

Aber nun dennoch mal wieder iene Episode:

Mein Nachtleben hat sich seit dem letzten Wochenende drastisch verbessert. Nachdem ich bisher abends meistens mite in paar Indern in der ein oder anderen Bar meine Abende verbracht habe (wer mich kennt weiss wie gerne ich einfach so in Kneipe rumsitze) wurde mir am letzten Wochenende von einem freundlichen Inder ein Club gezeigt.
Zu verlieren hatte ich nichts, also nichts wie rein da. Von aussen wirkt alles aeusserst unscheinbar (stehen drei Leute vor einem Eingang, daneben ein Schild auf dem der Name des Nachtclubs in gruener Schrift verewigt ist) also als Nicht-insider schwer zu finden. Weniger unscheinbar sind dann die 10 Euro Eintrittspreis, die mich beinahe wieder umdrehen lassen. Der Eintritt wird einem dann in Getraenkebons umgemuenzt, was mir einen Cocktail und ein Bierchen beschert, also durchaus euroaeische Preise. Dafuer ist die Bar wohl DER Szenetreff fuer die jungen, reichen und schoenen. Alle Tanzen und die Stimmung ist grandios. Ein polnischer Russe, der nun schon fuer ein Jahr in Indien lebt(?!), gibt mir eine kleine Einfuehrung in das Nachtleben hier und bescheinigt dem aktuellen Etablissement, dass es das beste ist, was einem in Bangalore im Moment passieren kann. Und ich muss zuegeben, dass ich mich hier ausserordentlich wohl fuehle. Dachterasse, Bar, Dancefloor, alles da und mein neuer Freund stellt sich als lebensfroher und witziger Unterhalter heraus, der ausserdem jeden Hotspot in der Kneipenstadt Bangalore kennt (und Wodka koennen die trinken, die polnischen Russen…). Mit etwas Glueck sagt er, haben die Bars demnaechst auch wieder laenger auf. Der aktuelle Komissioner der das Gesetz verabschiedet hat, leidet naemlich im Moment an akuter unbeliebtheit, was bedeutet das sich hier alles hoffentlich schnell aendert (Offensichtlich bildet die Gastronomie hier eine nicht zu unterschaetzdende Lobby – und ich wuensche ihnen alles Glueck bei der Durchsetzung ihres Primaerziels). Um 23.00 ist dann einmal mehr alles vorbei. Nach meinem empfinden sollte es gerade erst losgehen, aber der Besitzer zeigt kein Erbarmen und so finde ich mich mit gluehenden Wangen und abenteuerlustig auf der Strasse wieder.
Mit Geld geht bekanntlich alles und so druecke ich dem naechstbesten TukTukfahrer einen 100rs Schein in die Hand und verklickere ihm, dass ich noch irgendwo hinwill wo was passiert. Daraufhin faehrt der mich in ein 5* Luxushotel in der Suedstadt. Seine vorstellung von “was passiert” ist ein gerade beendetes Meeting im Saal des Hotels, nach meinen Begriffen passiert hier nicht mehr viel. Enttaeuscht lasse ich mir vom Barmann einen Whiskey einschenken (wer den wohl bezahlt hat?) und ziehe von dannen. Bei meinem Streifzug ueber das Gelaende finde ich dann eine kleine Bar und dort dann auch noch die gewuenschte Abwechslung. Mit 4 Leuten aus 4 Nationen treiben wir dort noch bis spaet in die Nacht die Kellner in den Wahnsinn, lachen und diskutieren. Als es Zeit wird zu gehen erlaube ich mir noch einen letzten Spass mit einem TukTuk fahrer und scheuche ihn die Menschenleeren Strassen hinunter. Mit wackelndem Gefaehrt und allem was der kleine Motor hergibt duesen wir nach Hause (Mein Kopf tut nach 5 Minuten erbaermlich weh, weil wir manchen Schlagleochern nicht ausweichen konnten). Dort falle ich dann erschoepft, aber immernoch laechelnd ins Bett, mache die Augen zu und werde nach gefuehlten 5 Sekunden Schlaf von Muthu geweckt, der mir erzaehlt, dass wir diese Woche wieder Samstags arbeiten…

Das also, damit ihr malwieder was zu lessen habt und als kleiner Einblick in mein Leben. Es ist also nach wie vor spannend und interessant und ich lerne immernoch beinahe taeglich jemand neues kennen.

Wie ihr bestimmt gemerkt habt, schreibe ich (neben meinen unzaehligen anderen Rechtschreibfehlern) nur noch aes oes ues und ss, was daran liegt, dass mein Laptop nun endgueltig den Geist aufgegeben hat.

Habe mir im Kopf mal eine kleine Liste zusammengestellt was ich alles hier vermisse, ist aber im nachhinein recht einfach.

Euch.

More to come,

Ulrich

P.S.: Hier hats gerade 26 Grad - und bei euch? :P

Freitag, November 04, 2005

Geschäft ist Geschäft

und in einem solchen arbeite ich gerade. Diese Woche war mal wieder die deutsche Geschäftsleitung in Form von Peter anwesend und so war ich teils zu beschäftigt und teils zu fertig um irgendwas zu schreiben. Mittlerweile ist so viel passiert, dass ich wohl die hälfte vergesse und die andere hälfte ausführlich genug aufschreiben kann, aber alles lamentieren nützt nichts. Zeit euch an die Hand zu nehmen und auch hier beginnt die längste Reise wieder mit dem ersten

SCHRITT

… und auf einmal wir uns in Mysore. Die drei Stunden Busfahrt hierher sind problemlos verlaufen (von Bangalore aus fährt ein Bus alle 10 Minuten für den Spottpreisvon einem Euro), im sauber-schönen Hotel haben wir auch schon eingecheckt und mit einem Lächeln im Gesicht das Simpsons Halloween Special geschaut. Es wartet auf uns eine der schönsten Städte Südindiens. Wahrzeichen der Stadt ist der Maharadscha Palast, der allen Pomp und Luxus den Indien zu bieten hat widerspiegelt. Heute werden zwischen 19:00 und 20:00 Uhr die Lampen die den Palast schmücken eingeschaltet und beinahe hätten wir es nicht rechtzeitig geschafft. Ein junger Inder von vielleicht 15 Jahren schafft es, sich uns auf irgendeine Weise anzuschließen und unerwünschter Weise, aber dafür umso mehr zu reden. Er kann die im Ort bekannten (und tourierprobten) 5 Standartwörter deutsch und versucht uns die ganze Zeit davon zu überzeugen, dass er der einzige Inder in der Stadt ist, der nicht auf ein Geschäft aus ist. Obwohl wir eigentlich das Bedürfnis haben alleine herumschlendern zu wollen erschließt sich uns plötzlich ein hinterhältiger Plan. Lass uns ausprobieren, wie viel Geduld der durchschnittlich aufdringliche ich-bring-dich-um-jeden-Preis-in-meinen-Shop Inder mit seinem potentiellen Kunden hat. Zeit haben wir sowieso, 3h noch bis aus dem Palast ein Lichtermeer wird. Unser Lauftempo geht schlagartig gegen null. Alles was uns interessiert hat natürlich eine ausführliche Betrachtung verdient. Wir lassen uns ein Restaurant zeigen und essen erstmal gemütlich, danach ein Saft in der Juicebar, ein kleiner Plausch mit einem Bananenverkäufer, ein Besuch in einer Moschee und einer Zigarettenfabrik folgen. Unser kleiner Mann will rechts, also interessiert uns irgendwas auf der linken Seite auf einmal tierisch. Wir geben amüsiert unser bestes um den kleinen in den Wahnsinn zu treiben, aber Daumen hoch, der Junge bleibt dran. Nach zweieinhalb stunden hat er uns zum shop bugsieren können. 5 Minuten Verkaufsgespräch und zwei lange Gesichter später haben wir es geschafft und sind wieder alleine und frei.
Unsere nächste Station ist der Palast und der ist wahrlich atemberaubend. Halb Mysore ist auf den Beinen und genießt den Anblick aus tausend und einer Nacht. Mittendrin wir, ebenfalls sprachlos und dennoch mit offenem Mund.
Nach dem Eindruck spannen wir in einer kleinen Bar ab, wo wir prompt zwei Schweizer kennen lernen, die ebenfalls in Bangalore arbeiten, sonst aber anscheinend ganz normal im Kopf sind. Ein paar stunden, Biere und Whiskeys später legen wir uns erschöpft aber glücklich in unser Bett und das einschlafen wird nicht mal von Verkehrslärm gestört.

BUMM

Das erwachen ist wie das Eintauchen in Eiswasser. Wir sind von der einen auf die andere Sekunde hellwach, aber völlig desorientiert und es würde vielleicht auch helfen die Augen zu öffnen um die nähere Umgebung bestimmen zu können. Gliedmaßen sind noch dran, Hotel steht noch und langsam erinnern wir uns an zwei Eindrücke von gestern. Der kleine hat die ganze Zeit von Diwali geschwärmt und wir haben einen Markt gesehen, auf dem ausschließlich Feuerwerk verkauft wurde. In der kombination erklärt das den Knall der mich aus dem Schlaf gerissen hat, aber nicht die UHRZEIT. Welcher einigermaßen Sozialbewußte Mensch zündet denn um 6 Uhr morgens einen Sprengsatz?! Das auf den Feuerwerkmärkten offensichtlich Dynamit verkauft wird scheint niemand zu stören und so wird unsere kleine Seitenstraße regelmäßig von kleinen Explosionen erschüttert die sich anhören als würden Taliban mit Pakistanis „meiner ist länger als deiner" spielen.
Aber die Stadt! Indien von seiner schönsten Seite, geschäftig, laut und unglaublich lebendig. Wir sehen eine Kirche aus dem 16. jhdt. Nichts besonderes eigentlich, aber für Indien eine Sensation. Danach begeben wir uns auf den Örtlichen Wochenmarkt. Hier gibt es so viel zu sehen, dass man nicht alles aufnehmen kann, geschweige denn fotografieren. Schreiende Händler bieten Gewürze in schreienden Farben feil. 1000 Gerüche umschmeicheln die Nase und locken das Auge und Indien zeigt sich uns von der besten Seite. Die erhabene Nüchternheit des Palastes steht dazu im heftigen Kontrast. Aber Buntglasfenster, Schnitzereien und riesige silberne Hallen machen uns vergessen wer wir sind und lassen uns etwas von der Macht der ansässigen Maharadschas erahnen. Nach Spaghetti Bolognese im internationalen Restaurant (chinesische Nudeln mit Hühnerhack und Ketchupsoße) geht’s dann auch schon zum Bushbahnhof und nach Hause.

SCHRITT

Wir finden uns nach einer Busfahrt auf der ein indischer Horrorfilm (Prädikat: sehenswert) in Bangalore wieder. Hier ist einiges passiert. Morgen startet das Diwali Festival, auch Lichterfest genannt. Das ist hier in etwa so, wie bei uns Weihnachten. Eigentlich hat jeder frei, nur hat das unserer deutschen Geschäftsführung leider niemand erzählt und so ist es morgen wieder an der Zeit zu arbeiten. Auf unserem Weg zurück ins Büro fahren wir durch eine Stadt, die von Lichterketten hell erleuchtet ist. Auch hier gilt, wie schon bei den Klamotten beobachtet, je schriller desto besser und so ist hier alles knallbunt geschmückt. Wer sich den Luxus einer Lichterkette nicht leisten kann stellt Kerzen auf. Mittlerweile knallt, scheppert und blitzt es nach wie vor. Alles in allem ist die fahrt durch die stadt unwirklich aber wunderschön.

SCHRITT

Happy Diwali! Ist unsere Begrüßung an diesem Arbeitstag. Peter schießt uns auf die Sache ein und wir arbeiten alle mit Hochdruck, dass soll sich auch die ganze Woche nicht ändern. Heute ist also der Tag an dem der indische Gott Rama aus dem Exil kam und seine (und 15999) andere Frauen aus der Gefangenschaft des bösen Neiders Raman (sein Hauptquartier liegt auf Sri Lanka) befreit hat. Sieg des Lichts über die Dunkelheit und Grund zu feiern bis in die Puppen.
Eine Unterhaltung fällt schwer und sich zu konzentrieren ist unmöglich, da mittlerweile dauerhaft Knaller explodieren und Knallfrösche und Böllerketten verfeuert werden. Teilweise ist es so übel, dass Telefongespräche unterbrochen und Unterhaltungen resigniert beendet werden müssen.

SCHRITT

Gott sei Dank sind wir heil in Peters Appartement angekommen. Die Fahrt ging mitten durch das Böllerinferno, aber immerhin sind die Inder bei allem Eifer den sie mit den Knallern an den Tag legen darauf bedacht, niemanden zu verletzen. Der Pizzaservice hält es trotzdem für zu gefährlich seine Fahrer rauszuschicken (allerdings vermuten wir, dass das eher daran liegt, dass alle Mitarbeiter Diwali feiern) und so muss Peters Koch uns Essen und Bier besorgen. Wir feiern danach auf unsere Weise mit Koch und Freund und es artet wohl in ein ziemliches Gelage aus. Am nächsten morgen wachen wir orientierungslos neben Peter auf (angezogen!) und bezahle für eine klasse Party mit einem riesen Schädel, der mich durch den ganzen Arbeitstag begleitet.

Hier endet unser Kurztrip und ich hoffe ich konnte euch einmal mehr einen Einblick in das Indien das ich hier erlebe, vermitteln. Augen zu, es darf geträumt werden.

Wie befürchtet habe ich nicht mal annähernd alles Relevante berichten können, aber immerhin ein Eintrag, der trotz Müdigkeit noch gesendet wird, da mich schon einige besorgte Anfragen erreicht haben. Keine Bange, hier ist alles in Ordnung, ich bin auch nicht schreibfaul geworden, ich hatte schlicht keine Zeit.

More to come

Ulrich