Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Freitag, November 04, 2005

Geschäft ist Geschäft

und in einem solchen arbeite ich gerade. Diese Woche war mal wieder die deutsche Geschäftsleitung in Form von Peter anwesend und so war ich teils zu beschäftigt und teils zu fertig um irgendwas zu schreiben. Mittlerweile ist so viel passiert, dass ich wohl die hälfte vergesse und die andere hälfte ausführlich genug aufschreiben kann, aber alles lamentieren nützt nichts. Zeit euch an die Hand zu nehmen und auch hier beginnt die längste Reise wieder mit dem ersten

SCHRITT

… und auf einmal wir uns in Mysore. Die drei Stunden Busfahrt hierher sind problemlos verlaufen (von Bangalore aus fährt ein Bus alle 10 Minuten für den Spottpreisvon einem Euro), im sauber-schönen Hotel haben wir auch schon eingecheckt und mit einem Lächeln im Gesicht das Simpsons Halloween Special geschaut. Es wartet auf uns eine der schönsten Städte Südindiens. Wahrzeichen der Stadt ist der Maharadscha Palast, der allen Pomp und Luxus den Indien zu bieten hat widerspiegelt. Heute werden zwischen 19:00 und 20:00 Uhr die Lampen die den Palast schmücken eingeschaltet und beinahe hätten wir es nicht rechtzeitig geschafft. Ein junger Inder von vielleicht 15 Jahren schafft es, sich uns auf irgendeine Weise anzuschließen und unerwünschter Weise, aber dafür umso mehr zu reden. Er kann die im Ort bekannten (und tourierprobten) 5 Standartwörter deutsch und versucht uns die ganze Zeit davon zu überzeugen, dass er der einzige Inder in der Stadt ist, der nicht auf ein Geschäft aus ist. Obwohl wir eigentlich das Bedürfnis haben alleine herumschlendern zu wollen erschließt sich uns plötzlich ein hinterhältiger Plan. Lass uns ausprobieren, wie viel Geduld der durchschnittlich aufdringliche ich-bring-dich-um-jeden-Preis-in-meinen-Shop Inder mit seinem potentiellen Kunden hat. Zeit haben wir sowieso, 3h noch bis aus dem Palast ein Lichtermeer wird. Unser Lauftempo geht schlagartig gegen null. Alles was uns interessiert hat natürlich eine ausführliche Betrachtung verdient. Wir lassen uns ein Restaurant zeigen und essen erstmal gemütlich, danach ein Saft in der Juicebar, ein kleiner Plausch mit einem Bananenverkäufer, ein Besuch in einer Moschee und einer Zigarettenfabrik folgen. Unser kleiner Mann will rechts, also interessiert uns irgendwas auf der linken Seite auf einmal tierisch. Wir geben amüsiert unser bestes um den kleinen in den Wahnsinn zu treiben, aber Daumen hoch, der Junge bleibt dran. Nach zweieinhalb stunden hat er uns zum shop bugsieren können. 5 Minuten Verkaufsgespräch und zwei lange Gesichter später haben wir es geschafft und sind wieder alleine und frei.
Unsere nächste Station ist der Palast und der ist wahrlich atemberaubend. Halb Mysore ist auf den Beinen und genießt den Anblick aus tausend und einer Nacht. Mittendrin wir, ebenfalls sprachlos und dennoch mit offenem Mund.
Nach dem Eindruck spannen wir in einer kleinen Bar ab, wo wir prompt zwei Schweizer kennen lernen, die ebenfalls in Bangalore arbeiten, sonst aber anscheinend ganz normal im Kopf sind. Ein paar stunden, Biere und Whiskeys später legen wir uns erschöpft aber glücklich in unser Bett und das einschlafen wird nicht mal von Verkehrslärm gestört.

BUMM

Das erwachen ist wie das Eintauchen in Eiswasser. Wir sind von der einen auf die andere Sekunde hellwach, aber völlig desorientiert und es würde vielleicht auch helfen die Augen zu öffnen um die nähere Umgebung bestimmen zu können. Gliedmaßen sind noch dran, Hotel steht noch und langsam erinnern wir uns an zwei Eindrücke von gestern. Der kleine hat die ganze Zeit von Diwali geschwärmt und wir haben einen Markt gesehen, auf dem ausschließlich Feuerwerk verkauft wurde. In der kombination erklärt das den Knall der mich aus dem Schlaf gerissen hat, aber nicht die UHRZEIT. Welcher einigermaßen Sozialbewußte Mensch zündet denn um 6 Uhr morgens einen Sprengsatz?! Das auf den Feuerwerkmärkten offensichtlich Dynamit verkauft wird scheint niemand zu stören und so wird unsere kleine Seitenstraße regelmäßig von kleinen Explosionen erschüttert die sich anhören als würden Taliban mit Pakistanis „meiner ist länger als deiner" spielen.
Aber die Stadt! Indien von seiner schönsten Seite, geschäftig, laut und unglaublich lebendig. Wir sehen eine Kirche aus dem 16. jhdt. Nichts besonderes eigentlich, aber für Indien eine Sensation. Danach begeben wir uns auf den Örtlichen Wochenmarkt. Hier gibt es so viel zu sehen, dass man nicht alles aufnehmen kann, geschweige denn fotografieren. Schreiende Händler bieten Gewürze in schreienden Farben feil. 1000 Gerüche umschmeicheln die Nase und locken das Auge und Indien zeigt sich uns von der besten Seite. Die erhabene Nüchternheit des Palastes steht dazu im heftigen Kontrast. Aber Buntglasfenster, Schnitzereien und riesige silberne Hallen machen uns vergessen wer wir sind und lassen uns etwas von der Macht der ansässigen Maharadschas erahnen. Nach Spaghetti Bolognese im internationalen Restaurant (chinesische Nudeln mit Hühnerhack und Ketchupsoße) geht’s dann auch schon zum Bushbahnhof und nach Hause.

SCHRITT

Wir finden uns nach einer Busfahrt auf der ein indischer Horrorfilm (Prädikat: sehenswert) in Bangalore wieder. Hier ist einiges passiert. Morgen startet das Diwali Festival, auch Lichterfest genannt. Das ist hier in etwa so, wie bei uns Weihnachten. Eigentlich hat jeder frei, nur hat das unserer deutschen Geschäftsführung leider niemand erzählt und so ist es morgen wieder an der Zeit zu arbeiten. Auf unserem Weg zurück ins Büro fahren wir durch eine Stadt, die von Lichterketten hell erleuchtet ist. Auch hier gilt, wie schon bei den Klamotten beobachtet, je schriller desto besser und so ist hier alles knallbunt geschmückt. Wer sich den Luxus einer Lichterkette nicht leisten kann stellt Kerzen auf. Mittlerweile knallt, scheppert und blitzt es nach wie vor. Alles in allem ist die fahrt durch die stadt unwirklich aber wunderschön.

SCHRITT

Happy Diwali! Ist unsere Begrüßung an diesem Arbeitstag. Peter schießt uns auf die Sache ein und wir arbeiten alle mit Hochdruck, dass soll sich auch die ganze Woche nicht ändern. Heute ist also der Tag an dem der indische Gott Rama aus dem Exil kam und seine (und 15999) andere Frauen aus der Gefangenschaft des bösen Neiders Raman (sein Hauptquartier liegt auf Sri Lanka) befreit hat. Sieg des Lichts über die Dunkelheit und Grund zu feiern bis in die Puppen.
Eine Unterhaltung fällt schwer und sich zu konzentrieren ist unmöglich, da mittlerweile dauerhaft Knaller explodieren und Knallfrösche und Böllerketten verfeuert werden. Teilweise ist es so übel, dass Telefongespräche unterbrochen und Unterhaltungen resigniert beendet werden müssen.

SCHRITT

Gott sei Dank sind wir heil in Peters Appartement angekommen. Die Fahrt ging mitten durch das Böllerinferno, aber immerhin sind die Inder bei allem Eifer den sie mit den Knallern an den Tag legen darauf bedacht, niemanden zu verletzen. Der Pizzaservice hält es trotzdem für zu gefährlich seine Fahrer rauszuschicken (allerdings vermuten wir, dass das eher daran liegt, dass alle Mitarbeiter Diwali feiern) und so muss Peters Koch uns Essen und Bier besorgen. Wir feiern danach auf unsere Weise mit Koch und Freund und es artet wohl in ein ziemliches Gelage aus. Am nächsten morgen wachen wir orientierungslos neben Peter auf (angezogen!) und bezahle für eine klasse Party mit einem riesen Schädel, der mich durch den ganzen Arbeitstag begleitet.

Hier endet unser Kurztrip und ich hoffe ich konnte euch einmal mehr einen Einblick in das Indien das ich hier erlebe, vermitteln. Augen zu, es darf geträumt werden.

Wie befürchtet habe ich nicht mal annähernd alles Relevante berichten können, aber immerhin ein Eintrag, der trotz Müdigkeit noch gesendet wird, da mich schon einige besorgte Anfragen erreicht haben. Keine Bange, hier ist alles in Ordnung, ich bin auch nicht schreibfaul geworden, ich hatte schlicht keine Zeit.

More to come

Ulrich

8 Comments:

Blogger Blubbage said...

Im Endeffekt sind doch alle gleich...
Ob jetzt wir hier im Dezember, die Chinesen im Frühjahr oder eben die Inder im November... Es ist doch toll einfach mal zu böllern und zu knallen.. Und zwar möglichst sinnfrei.

Schön zu hören, dass neben der Arbeit die Feierei und Freizeit nicht zu kurz kommt.
Nimm mit, was du kriegen kannst und nutze was dir geboten wird.

Wir hier haben inzwischen soviel Nacht, dass es für zwei Tage reichen würd.
In diesem Sinne....
Carpe diem!

05 November, 2005 00:34

 
Anonymous Anonym said...

Liebe Grüße Ulrich aus Karlruhe von Kelly alias Malekay. Sehr schönes Blog. Nur ein paar Bilder von dir fehlen. Du bist zu beneiden.

06 November, 2005 11:12

 
Anonymous Lena said...

Hallo Ulrich!

Schön, dass du wieder geschrieben hast! Die bunten Straßen sahen toll aus!
Ich habe gestern Katja nach deiner E-Mail Adresse gefragt, aber sie konnte mir leider nicht weiterhelfen.
Schade, dass du gestern bei Heikes Hochzeit nicht dabei sein konntest. Es war sehr schön und sehr gemütlich!
Mehr dazu würde ich dir gerne in einer E-Mail schreiben, weil das glaube ich hier nicht unbedingt hergehört.

Lass dich nicht stressen und schreib fleißig weiter!
Viele liebe Grüße von Lena

06 November, 2005 16:04

 
Blogger Mafine said...

schöner Blog, noch mehr Bilder bei denen man dich beneiden kann. weiter so. ich hoffe du hast des mit dem selber knallen dieses mal gelassen, es ist keine britta da die dich in kh fährt! ;)
hoffe du findest noch mehr so schöner plätze.

07 November, 2005 09:11

 
Anonymous Bobby said...

Moin...
Das wichtigste zuerst: Kannst Du mir bitte so ein bis zwei Pfund Dynamit mitbringen, meine Vorräte sind nämlich erschöpft...:-)

is ja ne geniale Party, muss so ähnlich sein , wie chinese new year bloß dass da ALLE frei haben und 2 Wochen lang gefeiert wird.

Auf welches der indischen Premiumbiere habt ihr euch denn jetzt eingelassen??? Du sagtest Doch, dass die alle nicht so ganz dem mitteleuropäischen Gaumen passen... was wohl auch deinen Schädel erklährt...

ich Wünsch Dir auf jeden Fall noch ne menge Spass da unten...

take care
cheers, Bobby

08 November, 2005 14:05

 
Blogger Ulrich said...

Aus finanziellen gründen beschränke ich mich auf Kopfwehproduzent Kingfisher, schmeckt genauso mies wie alle anderen, kostet aber weniger und wenns kalt ist, spricht nichtmal mein Würgereflex drauf an. Was das dynamit betrifft, das kommst du dir gefälligst selber abholen :P

@ Lena, danke für das Kurzupdate, meine Email ist deep.b.s.th@gmx.net
falls du oder sonstwer noch MSN oder ICQ id möchte, einfach per Email anfragen^^

09 November, 2005 05:53

 
Anonymous Hermann Riffel said...

Hallo Ulrich,

wie man sieht (bzw. liest) geht und gefällt es dir ganz gut in Indien. Ich freue mich immer wieder über deine Berichte und wir wünschen dir weiterhin alles, alles Gute.
Hermann und die restlichen Riffels (Irmi, Johannes und Philipp)

15 November, 2005 11:37

 
Blogger Ulrich said...

Hey Hermann, ich finde es klasse, dass ihr euch auch fuer mein Blog begeistern koennt. Da werde ich mich ab jetzt natuerlih wieder besonders anstrengen...

Gruss

Ulrich

23 November, 2005 09:30

 

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