Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Dienstag, November 29, 2005

Schlangen!!

In den schier unendlichen Weiten Indiens sucht der unendlich geduldige Ulrich immernoch nach seinem Weg durch den hiesegen Dschungel bestehend aus Religion, exotischer Flora, Kultur und Muell. Bewaffnet nur mit der imaginaeren Machete meines europaeisch gepraegten Geistes und meinen Fuessen (wenn was schieflaeuft, mir jemand nachlaeuft, oder die Zeit davonlaeuft, laufe ich einfach weg). Nach wie vor fuege ich meinem Schatz aus gesammelten Erfahrungen taeglich neue Kleinode hinzu und einige wenige davon (ich will ja auch noch was anderes machen als Bloggen) finden dann den Weg auf meine kleine Internetseite, also euer Wohnzimmer, Buero oder Wo-auch-immer-ihr-das-hier-gerade-lest.

Durch alle meine bisherigen Erlebnisse hindurch war mir eines eigentlich immer als unumstoessliche Wahrheit bewusst und wurde nie angezweifelt. Die Inder sind tierisch wahnsinnig unglaublich nett. Was haette ich auch anderes denken sollen, nachdem ich noch nicht ein Exemplar getroffen hatte, dass mich vom Gegenteil ueberzeugen konnte. Naja, Bettler und notorische Touriausnehmer koennen einem tierisch auf die Nerven gehen, aber immerhin versuchen sie nicht nur in den seltensten Faellen koerperliche Gewalt anzuwenden um an die begehrten Rupees zu kommen.

Allerdings gibt es eine Sache, die sie alle zu Berserkern werden laesst. Ein Ding, das die Gemueter der ansaessigen Durchschnittsinder in den gedanklichen Zustand eines gereizten Arenabullens versetzt.
Ein Buffet.
Es folgt die Beschreibung einer Szene in einem Indischen Luxushotel, bei dem es im Zuge einer Autoshow warmes Essen umsonst gab.

Es ist wie in einer schlechten Satire von Braveheart. Die inder uebernehmen den Part der Schotten und dem Buffet samt Leute an der Essensausgabe kommt die Rolle der Englaender zu. In dieser Schlacht wird es viele Opfer geben, aber wer letztendlich obsiegt ist schon im Vorraus klar.
Eine wogende Masse schiebt sich unaufhaltsam auf das wartende Buffet zu. Bewaffnet mit Gabel, Servietten und Tellern (die Vorhut des Buffets hielt dem Ansturm keine 2 Minuten stand) prallt die Wand aus leibern schliesslich gegen die Tische des Buffets, wo sie von eingeschuechterten Kochs mit Langen Loeffeln auf Distanz gehalten wird. In erster linie geht es nur darum irgendetwas zu erhaschen. Wer lange Arme hat, schiebt einfach seinen Teller so weit es geht in Richtung des aufgebahrten Essens. Ellenbogen sind ein weiterer Garant fuer eine schnelle Nahrungsaufnahme. Als der Staub sich legt und die ersten paar hundert Maeuler gestopft sind versuche ich es auch mal.
Mit Schlange stehen.
Ich kam mir vor wie ein Missionar unter Kannibalen. Nach 10 Minuten auf der Stelle stehen bringe ich mein Koerpergewicht zum Einsatz und nach weiteren 10 schiebe ich einfach alles aus dem Weg was ungluecklich genug ist, zwischen mir und meinem Essen zu stehen. Bevor ichs mich versehe bin also auch ich missioniert. Nach der ganzen Aktion ist mir auch etwas uebel, so dass ich das ergatterte Essen nicht ganz aufesse.
Eine weitere Stunde spaeter ist die Schlacht geschlagen. Die anwesenden sind satt und das einstmals wunderschoen angerichtete Buffet ist zum einen voellig leer und zum anderen voellig verwuestet.

Fuer mich, also durchschnittsmitteleuopaeer gehoert schlange stehen einfach dazu und ich kann mir nicht helfen, draengelt sich jemand vor mache ich ihn darauf hoeflich aber bestimmt aufmerksam.... Nur was mache ich nun wenn sich fuenf Leute einfach vor mich schieben? Mit der Ruecksichtslosigkeit einer Dampflock schubst sich die anonyme Menge am (in diesem Fall) braven Deutschen vorbei und hinterlaesst den Eindruck, dass wohl doch noch etwas Dritte-Welt flair uebrig ist in der Upper - Society - Welt Indiens.

Wenn ich den Caterer erwische der fuer das Chaos zustaendig war werde ich ihn fragen warum ein Buffet fuer 500 Inder gerademal 10m lang sein darf. Und warum die Bar fuer die gleiche Menge an leuten genau halb so breit ist. Ich vermute der hat schon vorher gegessen. Ich werde auf jeden Fall vor meinem naechsten Fest auch wieder etwas zu mir nehmen und mir die Wildtierfuetterung aus sicherer Entfernung anschauen.

Die eben geschilderten Zustaende gelten natuerlich nicht nur fuer die Essensausgabe. Das gibts auch in der Bahn, am Bus, dem Kartenschalter, im Kino etcetc.

Wir stehen in der Schlange weil wirs von Geburt an so gelernt haben und das schon automatisch passiert. Die Inder lernen von Geburt an, wer sich nicht durchsetzt ist immer letzter. Als Geschaeftsphilosophie tauglich, aber im Zuge des privaten zwischenmenschlichen Umgangs fuer mich aeusserst unbefriedigend. Nur ein kleiner Punkt im grossen Gefuege der Dinge die noch zu aendern waeren in Indien.

More to come

Ulrich

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