Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Freitag, Dezember 30, 2005

Prost Neujahr!



Ich stosse mit euch an liebe Leser, auf dass das vergangene Jahr ein gutes fuer euch war und darauf, dass das neue noch besser wird.

Fuer mich ist einiges passiert.

1st of all, das wichtigste und beste und hoffentlich das mit der anhaltendsten Auswirkung auf die Zukunft:

Zwei der wichtigsten Menschen in meinem Leben haben sich gefunden (nach einer laaaaangen Reise) und es schaut so aus, als ob sie gemeinsam gluecklich werden. Freund fuers Leben und Freundin fuers Leben vereinen sich fuer mich zur ultimativen Anlaufstelle, 2 Leute fuer persoenlichen Notfaelle, hoffentlich bald zu erreichen unter einer Nummer... Da ihr damit auch mich gluecklich macht, wuensche ich euch beiden und eurer Beziehung ein wahnsinnsjahr 2006.

Und natuerlich Indien:
Die letzten 3 Monate in Indien werden wohl auch das Jahr 2005 fuer immer in mein Gedaechtnis gravieren, so wie die kommenden das hoffentlich fuer das Jahr 2006 tun.

Und meine Liebste:
Entgegen aller Widrigkeiten und meine launischen Natur ist mein ganz persoenliches Stueckchen Glueck nach wie vor an meiner Seite. Auch die voruebergehende Trennung konnte unserer Beziehung nicht schaden und so faengt sie mein Herz einmal mehr mit jedem neuen Tag.

Gute Vorsaetze habe ich noch keine, erstmal muss ich lebend wieder nach Hause kommen, das wird mich schon genug beschaeftigen (=

Ich bin ueber die Feiertage verreist und hoffe ihr geniesst einen schoenen Jahreswechsel infos ueber meinen Trip gibts dann natuerlich wie immer hier.

More to come,

Ulrich

Samstag, Dezember 24, 2005

Stille Nacht...

Ich wuensche allen meinen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest. Nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen.

Euer

Ulrich

Freitag, Dezember 23, 2005

Weihnachten, Tempel und jede Menge Essen

Es heisst nicht unmsonst, dass man so manches Ereignis nach einiger Zeit klarer sieht. Das ist natuerlich auch genau der Grund, warum ich euch dieses mal etwas warten liess vor dem naechsten Eintrag...
Naja, eigentlich hat mich die ein oder andere Email wach geruettelt, in der gefragt wird, ob ich noch lebe und ob alles in Ordnung ist.
Ja. Ich lebe noch. Auch wenn die Inder letzte Woche wohl andere Plaene hatten.

Es ist Nacht, ich bin hungrig, unleidig und faul. Der schnellste Weg in dieser Situation geht bei mir leider nicht zum Kuehlschrank (weil die Existenz des selbigen im Buero leider nach wie vor nicht nachgewiesen werden konnte) sondern auf die Strasse und ins naechste Restaurant. Auf der Strasse angekommen (das Grollen in meinem Magen uebertoent mittlerweile die quaekenden Hupen der Rikshadriver) gehts also im Eiltempo zum naechsten Restaurant. Ich will schon die Strasse ueberqueren als mir der unwiderstehliche Geruch von Egg fried rice in die Nase weht...
Ein Strassenhaendler hat sich strategisch guenstig zwischen meinem Stammrestaurant und dem Buero positioniert. Diverse andere Begegnungen mit dem oertlichen Essen von der Strasse habe ich bisher heil ueberstanden, also gibt es keinen Grund mein Glueck nicht auf eine erneute Probe zu stellen um mir die letzten 50(!) Meter zu sparen. Nachdem ich also eine ordentliche Portion vom angebotenen verschlungen habe, (natuerlich nicht ohne Unterhaltungen in mit den anwesenden Indern) bin ich vorerst wieder zufrieden mit der Welt. Vorerst.
Was dann kommt kann sich der Leser nach dieser Einleitung schon denken. Ich wache mitten in der Nacht auf und denke mir noch nichts dabei (immerhin Bellt immer mal ein Hund vor meinem Fenster, oder ein Laster faehrt hupend durch die Strasse). Ich will mich gerade wieder umdrehen und weiterschlafen, als mein Bauch eine Kette unmoeglicher Laute von sich gibt und ploetzlich anfaengt innerlich auseinanderzurbrechen. Mit Traenen in den Augen und auf allen vieren mache ich mich also auf den Weg zu dem Ort, den ich die naechsten zwei Tage kaum verlassen werde. Mein Klo.

Was ganz anderes (ich finde von meinen Darmproblemen aus keine rechte Ueberleitung)

Weihnachten (jaa, mal wieder und immer noch) und Weihnachtsengel.
Eine Komillitonin aus Karlsruhe hat es sich nicht nehmen lassen die Geschenke meiner Lieben und Liebsten auf ihren Kurztrip nach Bangalore mitzunehmen und sie mir vorbeizubringen. 4 ½ Kilo (!) zusammengesetzt aus allen moeglichen Leckereien, an die man hier in Indien nur schwer, oder gar nicht herankommt.
Die Plaetzchen sind FANTASTISCH! (spezielles Danke an meine Maedels)
Die Gummitiere schon beinahe wieder verschlungen (Ein Dankeschoen an meine Liebste)
Das Buch gelesen (Vielen Danke an Familie Wunsch)
Die Bilder aufgehaengt (spezielles Danke an eine spezielle Freundin)
Und die Krippe aufgestellt (Warmen Dank an zwei ganz besondere Eltern)

Danke an alle Sender, ihr habt mir eine riesige Freude gemacht und natuerlich danke Katharina, dass du das ganze Zeug von Deutschland hier her geschleppt hast.

Dermassen hinterruecks von Weihnachtsgefuehlen heimgesucht und niedergerungen sass ich also vor zwei Wochen staunend und mit warmen Gedanken an meine Heimat vor meinem ganz persoenlichen Gabentisch. Stellt euch einen zufriedenen, plaetzchenkauenden Ulrich vor, der mit Genugtuung auf einen Berg von Leckereien herabschaut und euch in Gedanken alle mal fest in den Arm nimmt.

Viel Zeit fuer Sentimentalitaeten gab es allerdings (Gott sei Dank) nicht, da Katharina ein vollgestopftes Programm fuer ihre 10 Tage hier in Bangalore hatte und ich in ihren Aktivitaeten (erfreulicherweise) voll mit eingeplant war. Das bedeutete also, dass ich bis auf meinen Ausfall (zwecks Magenproblemen) jeden Abend unter der Woche auf Achse war. Habe im Zuge dessen einen total durchgeknallten Inder kennen gelernt (Roohshad) von dem ich bestimmt noch einges berichten werde. Letzten Donnerstag z.B. sind wir singend durch die Strassen von Bangalore gezogen, nachdem wir einen netten Californier in einem Restaurant kennengelernt hatten, der wohl selbst ab und an gerne mal ein Liedchen anstimmt. Gemeinsam wurden wir dann aufgrund des Singens vom Manager hinauskomplimentiert...

An dem Wochenende an dem auch Katharina da war, war ungluecklicherweise auch die Tempeltour nach Tirupati mit Muthu und dessen Freunden geplant. Keine Frage, dass konnte ich mir nicht entgehen lassen 9 Inder auf Tempelausflug. Das ist fast wie eine Lifedokumentation ueber indische Kultur.
Tirupati ist eine der bekanntesten und beliebtesten Pilgerstaetten in Suedindien. Dementsprechend stroemen die Leute aus allen Himmelsrichtungen auf das Heiligtum zu. Kein Problem. Wer 3 Monate in Indien ist und seine Beruehrungsaengste immernoch nicht los hat, hat entweder nie sein Zimmer verlassen oder alle oeffentlichen Plaetze im Auto sitzend betrachtet.
Sie alle kommen um der dortigen Gottheit im Tempel zu huldigen. Balaji ist eine Beruehmtheit. Er verspricht Geld fuer Geld. Gibsu fuenf gebisch fuenfhundert. Das zieht. Vom Kleinunternehmer bis zum Vorstand, alle kommen sie her und spenden.Die Einnahmen des Tempels gehen in die Millionen. Muthu glaubt daran (Alle dort glauben dran, unterstuetzt von immer neuen Erfolgsmeldungen). Er wird spenden, fuer sich und fuer unsere Firma. Mit leuchtenden Augen erzaehlt er mir vor der Reise welches Glueck uns wiederfahren wird.
Auslaender brauchen eine extra Eintrittserlaubnis zum Tempel (Sagt ein mal mehr Hallo zur indischen Buerokratie) allerdings wir mir versichert, dass es vor Ort kein Problem sein wird eine solche zu bekommen, da es sowieso kaum Touristen dorthin verschlaegt und demnach die Schlange vor dem Schalter recht klein ausfallen duerfte.
Um das vorweg zu nehmen, ich drufte nicht in den Tempel. Der Herr fuers Ticket war zunaechst Essen und entschied sich danach der wartenden Menge (ja, die Schlange war auch nicht so klein – Sagte ich Schlange? Ich meine die draengelnde Meute) mitzuteilen dass er nicht gedenke vor 8.00 Abends noch etwas zu arbeiten. Die Gitter vor dem Fenster des Schalters waren in diesem Moment sehr berechtigt und vor allem der Gesundheit des SchalterBEAMTEN zutraeglich.

Bis dahin war ich noch sehr euphorisch gewesen, da mir der Ausflug und die gute Gesellschaft (Muthus Freunde sind ein netter Haufen). Einen risen Spass machten. Alleine um zum Tempel zu gelangen legten wir 4000 Stufen und 9 Kilometer zurueck.
Alles singend lachend und schwatzend. Der Ausblick war atemberaubend, bis wir dann vom Nebel der tiefhaengenden Wolken verschluckt wurden und von der umgebenden Landschaft nichts mehr sahen. Begleitet wurden wir vom kreischen der Affen, dem Murmeln der Bettler und den „Hello!“-rufen der Haendler, die entlang des Wegs immer wieder Erfrsichungen und leckere Snacks anboten.
Durch die fehlende Tempelerlaubnis war dann der Aufenthalt im Tempelbezirk in Tirupati durch ein Stundenlanges Herumschlaendern auf dem Tempelgelaende gekennzeichnet, auf dem sich hunderte kleiner Geschaefte draengen, deren Besitzer alle um die Gunst der vorbeiflanierenden Besucher buhlen. Ich war der einzige Weisse an dem Tag. Nach einer Stunde Auslagen betrachten spulte ich nur noch monothon in 5 Sekunden abstaenden „no thanks – just looking“ ab.
Waehrend dieser Zeit wartete ich auf die Anderen, die sich ja aufgemacht hatten, dem Gott zu huldigen. Das Problem dabei waren die anderen Scharen von Indern (wir erinnern uns: von Nord, Ost, Sued und West) die alle den gleichen Plan hatten.
Kilometerlange Schlangen bilden sich, die sich ueber den ganzen Tempelkomplex ziehen. Ablenkung gibts nur durch die eigene Gesellschaft. Als ich die Ausmasse der indischen Froemmigkeit sah, war ich auf einmal gar nicht mehr so veraergert darueber, dass mir diese Tortur erspart wurde. Wenigstens konnte ich umherschlendern und frei atmen. Die anderen waren in den abgesperrten Warteschlangenbereichen eingezwaengt und warteten insegsamt sechs Stunden auf ihre 5 Sekunden im Tempel vorm Gott (mehr wird einem nicht zugestanden bevor die oertlichen Priester einen weiterziehen)

Alles in allem war Tirupati den Trip Wert, was allerdings auch (oder hauptsaechlich?) der guten Gesellschaft in der ich mich befand, gutzuschreiben ist.

Andere Highlights der letzten Wochen:

Am letzten Sonntag war 4 Adventsbrunch im Leela’s Palace. Ein 6 Stunden Schmaus mit den Trainees von Bosch, bei dem wir uns bei 28 Grad im wunderschoenen Dschungelgarten des Leelas so richtig verwohnen liessen. Allein die Tafel mit den 20 Desserts fesselte meine Aufmerksamkeit fuer mehr als eine Stunde. (=

Am darauf folgenden Dienstag wurde ich zum Grillen eingeladen. Ja, ihr habt richtig gehoert. Richtiges deutsches Grillen. Maurice, fuer 3 Jahre hier und Siemens Mitarbeiter hat es sich nicht nehmen lassen und einen Edelstahlgrill bei einer oertlichen Schmiede in Auftrag gegeben. Ich liebe ihn dafuer und fuer die 2 Kg bestes Rindfleisch die er eingekauft hat, liebe ich ihn noch mehr.

Dienstag, Dezember 06, 2005

Nikolausueberraschung

Wuensche allen Lesern einen schoenen Nikolaustag (so mit Schokonikolaeusen und Socken und allem was dazugehoert). In Indien bekomme ich von dem ganzen Weihnachtstrara im Moment eigentlich kaum was mit.
Als ich am Wochenende einkaufen war, habe ich in der Auslage eines Geschaeftes ein bisschen Weihnachtsschmuck gesehen und in einem Luxushotel steht ein kuenslicher Weihnachtsbaum im Foyer. Das sich das so in Grenzen haelt ist allerdings gar nicht schlecht, ich bin naemlich auch gar nicht so weihnachtlich eingestimmt. Immerhin ist es hier ja warm und eher braun als weiss auf den Strassen.

Dennoch moechte ich mir und euch zum 06. Dezember eine kleine Freude machen. Ich wuerde gerne auch lustige Anekdoten von euch lesen und kommentieren. Da nun aber die meisten von uns noch kein Weblog haben, dachte ich mir ich mach euch schnell eins auf.

Nutzername: justallus
Passwort: allstars

und das Ganze dann hier eingeben. Dort koennt ihr dann eure Texte schreiben.

Das veroeffentlichte Blog findet ihr dann unter http://alleraugenblicke.blogspot.com/

Nehmt euch mal die Zeit (alle die schon ein Blog haben koennen ja auch persoenliche Lieblingsartikel posten, der Rest muss allerdings arbeiten). Das ist meine kleine Rache dafuer, dass ich Stunden vorm PC verbringe um euch auf dem Laufenden zu halten.

Also Maedels, kniet euch rein, bin schon sehr gespannt.

More to come

Ulrich

Freitag, Dezember 02, 2005

Ge recht er Zorn

Vor mehr als zwei Wochen haben meine Eltern ein Paket fuer mich losgeschickt (Dank euch, hab mich sehr gefreut als ich es gehoert habe). Nachdem das Ding hier immer noch nicht angekommen ist, habe ich mich einmal informiert. Eines der haarstraeubenden Ergebnisse ist hier zu finden (danke Daniela). Nach einem weiteren Gespraech gestern Nacht waehrend dessen die geschilderten Ereignisse bestaetigt wurden, bin ich mir ziemlich sicher, dass es mir am hiesigen Zoll Touripisakschalter genau so gehen wird. Meinen nachgesendeten Koffer musste ich ja auch oeffnen und erklaeren warum ich 2 paare Schuhe einfuehre wenn man sie hier doch kaufen kann, fuer was ich die Regenjacke mitgenommen habe, wo ich herkomme, was ich hier mache, wo ich hingehe, wer meine Freunde hier sind, ob noch weitere Deutsche mit mir eingereist sind etcetc.... Ich hatte allerdings Glueck und wurde von meinen Indern begleitet. Das hielt wohl schlimmeres Unglueck von mir (und vor allem meinem Geldbeutel) fern.
Unter dem Strich vermute ich, dass es dem ein oder anderen Inder ein diebisches Vergnuegen bereitet auch mal Macht ueber einen Menschen zu besitzen, der im Kastensystem oder auch der sozialen Hackordnung eigentlich ueber ihnen steht (Aber das Kastensystem ist doch abgeschafft?! – Leider nur auf dem Papier). Ja, die Beamten geniessen ihre Macht und maechtig sind sie allemal.
Um an die geforderten Dienste zu kommen, kann es schon gut sein, dass man mehr von sich preis geben muss, als irgendein Mensch auf dem Planeten wissen sollte (unterm Strich wohl nur Schikane). Ein Beispiel dafuer ist mir auch schon zugetragen worden. Der Protagonist bei dem ganzen war Gott sei Dank allerdings nicht ich, sondern eine Bosch Praktikantin. Selbiger wurde versichert, dass die beglaubigte Unterschrift auf ihrem Arbeitsvertrag („natuerlich brauchen wir ihren Arbeitsvertrag damit wir ihnen das Paeckchen aushaendigen koennen“) erst vom oertlichen spezialisten ueberprueft werden muesse. Was dann passiert ist typisch indisch. Warten. Der Beamte hat naemlich Zeit. In Deutschland meist noch ein belaechelter Scherz, wird das in Indien zur erschreckenden Realitaet. Alle Bewegungen erfolgen in wuerdevoll gemaessigter Weise also provozierend langsam. Der Spezialist ist dann auch mal informiert (erst nachdem man sich ausgiebig ueber irgendwas mit der Nachbarin unterhalten hat, das bestimmt nichts mit ihrer aktuellen Aufgabe zu tun hat) und der widerum wird noch ein paar Minuten braucht bis er kommt. Mit etwas pech werden nun aus gefuehlten Stunden echte Stunden, in diesem Fall hat der Herr Spezialist allerdings nur eine halbe benoetigt. Seine Aufgabe war es nun, die Unterschrift des CEOs als echt zu identifizieren. Defuer, so die Aussage der Beamten, muesse er eigentlich nur einen Blick drauf werfen, weil der sehr geehrte Herr Spezialist naemlich alle Unterschriften der Personalchefs der Fortune 500 von Bangalore kennt. Wer sich jetzt unglaeubig an den Kopf langt und grinsend den Kopf schuettelt, hoer auf damit, das ist ernst. Mit so einem Bullshit muss man sich naemlich hier auseinandersetzen. Ob der Herr spezialist nun ein ausgemachter Vollidiot ist („hier ist dein Schild“) oder nicht, spielt keine Rolle (und ich glaube keiner von uns glaubt daran, dass der Kandidat 1) ein photographisches Gedaechtnis hatte und 2) irgendwie an die Unterschriften von den Firmen rangekommen ist). Demnaechst lassen sie vielleicht noch seilhuepfen um festzustellen, ob man kerperlich fit genug ist um das Paket nach Hause zu transportieren. Man wuerde es glaube ich sogar TUN, Immerhin will man ja das PAKET. Geld dient natuerlich, wie ueberall sonst auch, als Schmiermittel fuer die rostigen Amtsmuehlen. Korruption steht hier schon in der Jobbeschreibung. Wie Ram mal zu sagen pflegte: „ The duty in India is just a big pain in the ass“ – right buddy.
Obwohl ich noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt kam (oder besser der ausfuehrenden Gewalt) kann ich aufgrund meiner bisherigen Unterhaltungen und Erlebnisse nur frustriert festhalten, dass Indien nur auf dem Papier ein Rechtsstaat ist. Recht hat naemlich wer Geld hat, oder Macht. Wer beides hat sitzt in der Regierung und schimpft sich Demokrat.
So kommt es dann also, dass der rechtsbewusste Deutsche, der selbige verteidigen moechte, sich bald selbst als Gegenstand einer ebenso handfesten wie auch voellig absurden Anschuldigung gegen ihn wiederfindet. Ruft man also den Polizisten aufs Zollamt, kann man anstatt seiner Hilfe eher die ausgestreckte Hand erwarten, die stumm darauf hindeutet, dass der hier Anwesende gerne eine kleine Abfindung dafuer haben moechte, dass ich ihn von seinen wichtigen Aufgaben (Doesen in der Sonne / Ausdenken von ungerechtfertigten (absurden, dummen...) Anschuldigen / Bierchen trinken) abgehalten habe. Geholfen wird einem dadurch nicht, wenigstens muss man danach nicht mehr so schwer am Geldbeutel schleppen. Sollte ich hier jemanden verklagen wollen, wuerde er mir wohl geradeheraus ins Gesicht lachen. Anliegen gerechtfertigt oder nicht.

Das regt mich auf.

Immerhin habe ich es bisher geschafft mich aus allem Aerger rauszuhalten. Da aber die Chance besteht, dass ich mich dazu genoetigt fuehlen koennte das nette Grinsen des netten Schalterbeamten vom Zoll in Rekordgeschwindigkeit mit dem Tisch zu konfrontieren waere es wohl ratsam, mir keine weiteren Pakete zu schicken.

Letzte Woche war ein Artikel in der Zeitung in dem es ebenfalls um die lieben Staatsdiener geht. Ein Polizist war bei einer Verkehrskontrolle sturzbetrunken von seinem Motorrad gefallen. Nur gut das die Jungs hier keine Waffen tragen.
Bewaffnete Polizisten gibts nur im 2er Pack. Einer hat nen langen Stock (der passt wahrscheinlich auf, dass sich nr.2 nicht besaeuft) und der andere einen Karabiner, wie ich ihn bisher nur in Museen gesehen habe.

But... who will guard the guards?

More to come,

Ulrich