Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Freitag, Dezember 02, 2005

Ge recht er Zorn

Vor mehr als zwei Wochen haben meine Eltern ein Paket fuer mich losgeschickt (Dank euch, hab mich sehr gefreut als ich es gehoert habe). Nachdem das Ding hier immer noch nicht angekommen ist, habe ich mich einmal informiert. Eines der haarstraeubenden Ergebnisse ist hier zu finden (danke Daniela). Nach einem weiteren Gespraech gestern Nacht waehrend dessen die geschilderten Ereignisse bestaetigt wurden, bin ich mir ziemlich sicher, dass es mir am hiesigen Zoll Touripisakschalter genau so gehen wird. Meinen nachgesendeten Koffer musste ich ja auch oeffnen und erklaeren warum ich 2 paare Schuhe einfuehre wenn man sie hier doch kaufen kann, fuer was ich die Regenjacke mitgenommen habe, wo ich herkomme, was ich hier mache, wo ich hingehe, wer meine Freunde hier sind, ob noch weitere Deutsche mit mir eingereist sind etcetc.... Ich hatte allerdings Glueck und wurde von meinen Indern begleitet. Das hielt wohl schlimmeres Unglueck von mir (und vor allem meinem Geldbeutel) fern.
Unter dem Strich vermute ich, dass es dem ein oder anderen Inder ein diebisches Vergnuegen bereitet auch mal Macht ueber einen Menschen zu besitzen, der im Kastensystem oder auch der sozialen Hackordnung eigentlich ueber ihnen steht (Aber das Kastensystem ist doch abgeschafft?! – Leider nur auf dem Papier). Ja, die Beamten geniessen ihre Macht und maechtig sind sie allemal.
Um an die geforderten Dienste zu kommen, kann es schon gut sein, dass man mehr von sich preis geben muss, als irgendein Mensch auf dem Planeten wissen sollte (unterm Strich wohl nur Schikane). Ein Beispiel dafuer ist mir auch schon zugetragen worden. Der Protagonist bei dem ganzen war Gott sei Dank allerdings nicht ich, sondern eine Bosch Praktikantin. Selbiger wurde versichert, dass die beglaubigte Unterschrift auf ihrem Arbeitsvertrag („natuerlich brauchen wir ihren Arbeitsvertrag damit wir ihnen das Paeckchen aushaendigen koennen“) erst vom oertlichen spezialisten ueberprueft werden muesse. Was dann passiert ist typisch indisch. Warten. Der Beamte hat naemlich Zeit. In Deutschland meist noch ein belaechelter Scherz, wird das in Indien zur erschreckenden Realitaet. Alle Bewegungen erfolgen in wuerdevoll gemaessigter Weise also provozierend langsam. Der Spezialist ist dann auch mal informiert (erst nachdem man sich ausgiebig ueber irgendwas mit der Nachbarin unterhalten hat, das bestimmt nichts mit ihrer aktuellen Aufgabe zu tun hat) und der widerum wird noch ein paar Minuten braucht bis er kommt. Mit etwas pech werden nun aus gefuehlten Stunden echte Stunden, in diesem Fall hat der Herr Spezialist allerdings nur eine halbe benoetigt. Seine Aufgabe war es nun, die Unterschrift des CEOs als echt zu identifizieren. Defuer, so die Aussage der Beamten, muesse er eigentlich nur einen Blick drauf werfen, weil der sehr geehrte Herr Spezialist naemlich alle Unterschriften der Personalchefs der Fortune 500 von Bangalore kennt. Wer sich jetzt unglaeubig an den Kopf langt und grinsend den Kopf schuettelt, hoer auf damit, das ist ernst. Mit so einem Bullshit muss man sich naemlich hier auseinandersetzen. Ob der Herr spezialist nun ein ausgemachter Vollidiot ist („hier ist dein Schild“) oder nicht, spielt keine Rolle (und ich glaube keiner von uns glaubt daran, dass der Kandidat 1) ein photographisches Gedaechtnis hatte und 2) irgendwie an die Unterschriften von den Firmen rangekommen ist). Demnaechst lassen sie vielleicht noch seilhuepfen um festzustellen, ob man kerperlich fit genug ist um das Paket nach Hause zu transportieren. Man wuerde es glaube ich sogar TUN, Immerhin will man ja das PAKET. Geld dient natuerlich, wie ueberall sonst auch, als Schmiermittel fuer die rostigen Amtsmuehlen. Korruption steht hier schon in der Jobbeschreibung. Wie Ram mal zu sagen pflegte: „ The duty in India is just a big pain in the ass“ – right buddy.
Obwohl ich noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt kam (oder besser der ausfuehrenden Gewalt) kann ich aufgrund meiner bisherigen Unterhaltungen und Erlebnisse nur frustriert festhalten, dass Indien nur auf dem Papier ein Rechtsstaat ist. Recht hat naemlich wer Geld hat, oder Macht. Wer beides hat sitzt in der Regierung und schimpft sich Demokrat.
So kommt es dann also, dass der rechtsbewusste Deutsche, der selbige verteidigen moechte, sich bald selbst als Gegenstand einer ebenso handfesten wie auch voellig absurden Anschuldigung gegen ihn wiederfindet. Ruft man also den Polizisten aufs Zollamt, kann man anstatt seiner Hilfe eher die ausgestreckte Hand erwarten, die stumm darauf hindeutet, dass der hier Anwesende gerne eine kleine Abfindung dafuer haben moechte, dass ich ihn von seinen wichtigen Aufgaben (Doesen in der Sonne / Ausdenken von ungerechtfertigten (absurden, dummen...) Anschuldigen / Bierchen trinken) abgehalten habe. Geholfen wird einem dadurch nicht, wenigstens muss man danach nicht mehr so schwer am Geldbeutel schleppen. Sollte ich hier jemanden verklagen wollen, wuerde er mir wohl geradeheraus ins Gesicht lachen. Anliegen gerechtfertigt oder nicht.

Das regt mich auf.

Immerhin habe ich es bisher geschafft mich aus allem Aerger rauszuhalten. Da aber die Chance besteht, dass ich mich dazu genoetigt fuehlen koennte das nette Grinsen des netten Schalterbeamten vom Zoll in Rekordgeschwindigkeit mit dem Tisch zu konfrontieren waere es wohl ratsam, mir keine weiteren Pakete zu schicken.

Letzte Woche war ein Artikel in der Zeitung in dem es ebenfalls um die lieben Staatsdiener geht. Ein Polizist war bei einer Verkehrskontrolle sturzbetrunken von seinem Motorrad gefallen. Nur gut das die Jungs hier keine Waffen tragen.
Bewaffnete Polizisten gibts nur im 2er Pack. Einer hat nen langen Stock (der passt wahrscheinlich auf, dass sich nr.2 nicht besaeuft) und der andere einen Karabiner, wie ich ihn bisher nur in Museen gesehen habe.

But... who will guard the guards?

More to come,

Ulrich

5 Comments:

Blogger Mafine said...

Wie keine weiteren Päckchen, das kannst du doch nicht machen! Es wollte doch gerade ein schwall von Packeten losrollen. Is das dein erst? Ach komm, Bagschisch machts?!!

02 Dezember, 2005 09:45

 
Blogger Ulrich said...

Hebt euch die ganzen Paeckchen auf und gebt mir das Zeuch wenn ich wieder daheim bin... dann faellt es mir bestimmt auch leichter mich von meinem Leben in Indien wieder zu loesen...

05 Dezember, 2005 12:52

 
Anonymous Anonym said...

mampfi hat gesagt...
Heute kommt der Nikolaus!Pass auf!

Nikolaus verrate mir...
Nikolaus verrate mir, hast du auch eine Frau?
Zum Reden, Schmusen und zum Kuscheln und zärtlich durch die Haare wuscheln?
Sag, kitzelt dein Bart beim Kuss,
so dass deine Frau herzhaft lachen muss?

Nikolaus verrate mir, hast du vielleicht Kinder?
Mit denen du Kassetten hörst und manchmal auch die Nachbarn störst?
Sind deine Kinder genau wie ich oder lieb und ordentlich?

Nikolaus verrate mir, hast du vielleicht ein Fahrrad?
Mit dem du durch die Matsche braust und dich dabei total versaust.
Im Sommer beim Radeln, behältst du auch dann, Pelzstiefel, Mantel und Handschuhe an?

Nikolaus verrate mir, putzt du gern die Zähne?
Ob du beim Haare waschen schreist, wenn Seife in die Augen beißt?
Mir kannst du`s sagen, mir allein, es soll unser Geheimnis sein.

Nikolaus grüßt Ulrich in Bangalore!
(Please forgive me the midnight
"ring"!)

05 Dezember, 2005 21:57

 
Blogger Ulrich said...

Na nun ist es doch noch ein wenig Weihnachten geworden in Bangalore.

06 Dezember, 2005 08:15

 
Anonymous Daniela said...

Meine Pakete aus Deutschland kommen normalerweise an. Das eine, von dem ich mal im Blog geschrieben habe, kam aus China und wurde darum geöffnet.

Wir schreiben aber nie den tatsächlichen Inhalt auf das Paket, denn dann wird es in jedem Fall geöffnet. Wir benutzen diese PackSets von der Post, das sieht ein bisschen offiziell aus und rotes Klebeband, welches es in Indien nicht gibt und weswegen man gut feststellen kann, ob das Paket geöffnet worden ist. Oben drauf schreiben wir meist sowas wie German Books oder Study material, weil das nicht so verlockend klingt wie Schokolade.

Dann kommen die Pakete auch meistens an. Es dauert auch mindestens 10 Tage.

06 Dezember, 2005 12:15

 

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