Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Montag, Februar 20, 2006

2 Monate auf 2 Seiten

Gerade kommt der Sanitaeter gelaufen, reibt die beiden befremdlich aussehenden gelbeschmierten Apperate aneinander und mit einem erschreckend lauten Trommelschlag erwacht die hiesige Domaene wieder zum Leben. Es war ja lange still um Indien und mich. Alles aufzuholen was geschehen ist bleibt keine Zeit, ich muss immerhin irgendwann heute auch noch ein Auge zu machen.

Mein Sylvester habe ich in den gruenen Huegeln von Coorg verbracht und genossen, auch wenn meine Begleitung bestehen aus sechs Indern (incl. Muthu) und einer Inderin meistenteils nur Tamil sprachen, dessen ich leider nach wie vor nicht maechtig bin. Neujahr war mal wieder Indien von seiner besten Seite, meine Begleiter immer froehlich geschaeftig gut gelaunt, malerische Bergdoerfchen, ein Naturpark, ein Wasserfall und dann reinfeiern am Lagerfeuer. Natuerlich auch mit allem Drum und Dran, sogar mit Eifersuchtsgeschichten (merke: Mich nichtmehr mit indischen Frauen alleine unterhalten wenn der Freund mitreist).
Zum verkaterten ersten hats nicht gerreicht, da fuer das ‚boozing’ nur wenig alkohol besorgt wurde (Augenscheinlich war es offenbar genug fuer manche meiner indischen Freunde aber ach, die masslosen biergehaerteten Deutschen ^^).
Am naechsten Tag wurde auf dem Heimweg dann ein Abstecher zum Water Park gemacht. Ein Erlebnis der besonderen Art fuer mich und meine Begleiter, wenn auch aus unterschiedlichen Gruenden.
Meine Sorgen wegen fehlender Badeklamotten zerstreuten sich am Eingang. Man konnte gegen eine kleine Gebuehr Handtuch und Badehose leihen. Beides natuerlich benutzt. Camera fee habe ich auch malwieder bezahlt, aber das wars definitiv Wert fuer die Bilder fuer meine Mitreisenden. Hygiene war wie zu erwarten war unheimlich, schrecklich und fuer Hygieneverwoehnte Europaeer ein feucht gewordener Alptraum. Das Wasser war an der Oberflaeche von Schlieren durchzogen und der Grund war in den wenigsten Becken sichtbar. Deonnoch, um niemanden vor den Kopf zu stossen, aber besserem Wissen zum Trotz, habe ich mich an der Seite meiner Indischen Freunde in die Fluten Begeben (Ja, Wellenbad gabs auch). Was mich nicht umbringt... Ein schwimmer –oder gar Olympiabecken gab es keins, der Grund ist einleuchtend: Inder koennen nicht schwimmen (BUH: Verallgemeinerung!) Okok, Manche Inder koennen schon schwimmen, aber aus Ruecksicht auf die grosse Mehrheit sind die Becken selten tiefer als 1:20m. Fuer mich natuerlich ein Riesen Spass meinen Nichtschwimmermuthu von den Beinen zu ziehen und dann im gerademal huefthohen Wasser seinem halbminuetigen Ueberlebenskampf zuzuschauen.
Sicherheitsvorschriften fuer das Rutschen auf Hochgeschwindigkeits und Buckelrutschen gab es, sie wurden allerdings allesamt von Personal wie Besuchern ignoriert.
Ich habe die kleine Liaison auch ohne schlimmere Brueche oder Hautkrankheiten ueberstanden. Allerdings verlor der Rest meines Koerpers den Kampf gegen eine Grippe, die mich in den folgenden 3 Wochen beschaeftigen sollte.
Danach kam der Mensch der mir die Welt bedeutet zu mir und die naechsten zwei Wochen in Palolem (Goa) und Hampi verliefen genau so Traumhaft wie man es sich vorstellt nach einer 4 einhalb moatigen Trennung.
Palolem ist zu unserem persoenlichen Paradies auserkoren. In einer langen, geschuetzten Bucht, gesaumt von sich wiegenden Palmen, mit blauem Wasser und weissem Sand haben wir 8 wunderbare Tage verbracht. Auf Bootstouren konnten wir Delfine neben uns schwimmen sehen, auf Rollerfahrten endlose Palmenhaine betrachten und in unserem bevorzugtem Strandrestaurant atemberaubende Sonnenuntergaenge erleben. Von Palolem haelt sich der Pauschaltourismus noch fern und dank der abgeschiedenheit – immerhin zweieinhalb Stunden Fahrt, die fuer Reisende nur per Bus oder Taxi (evtl. Auch Mietwagen) zu ueberbruecken sind, auch hauptsachlich von Individualisten und Backpackern besetzt. Gefischt wird auch, in kleinen Holzbooten un der Fang kommt abends dann frisch auf den Tisch. Man lebt in Bambushuetten am Strand, wenn man etwas mehr ausgibt und Glueck hat, auch mit Meerblick und angeschlossenem Bad. Wir hatten Glueck und einen (fuer indische Verhaeltnisse) dicken Geldbeutel und somit vom Bett aus das Meer zum greifen Nahe.
Shopping blieb natuerlich nicht aus. Wer meinen bisherigen Ausfuehrungen gefolgt ist und/oder ein wenig gesunden Menschenverstand besitzt wird sich denken koennen, dass es an einem entrueckten Touristenstrand mittem im Palmenbewachsenen Nirgendwo kein Einkaufszentrum und keine Preisschildchen gibt. Dementsprechend wird das Einkaufen nicht nur wegen der Hitze zur Tortour. Das begehrte Stueck muss naemlich natuerlich nicht nur gefunden, sondern auch erworben werden. Einem 10 minuetigen Auswahlprozess kann also gut und gerne auch ein eben so langes Verhandeln folgen. Was bleibt ist die Freude ueber einen exotischen Kauf und die unsicherheit ob man nicht doch zuviel bezahlt hat – man darf sich allerdings troesten, es ist so guentig das man selbst beim uebers-ohr-gehauen—werden noch einen Batzen Geld zum Kauf eines vergleichbaren Produkts in Deutschland gespart hat.

Als erfrischung gabs zwischendurch Ananas und eine Lassi (Ananasgeschmack – bei mir allerdings meist Banane) zum Fruehstueck gabs Ananasstueckchen und in meinem Huhn Abends war ebenfalls Ananas als Nachtisch Lassi und... Pineapple! Ananas heisst auch auf Hindi Ananas, was es einem Ananasliebhaber wie meiner Freundin NOCH einfacher machte ihr neu erkohrenes Suchtobjekt zu bestellen. Kurz, wir hatten einen mittleren taeglichen Ananasverbrauch einer indischen Reisegesellschaft (Indische Reisegesellschft = Gerade so viele Leute das es der Bus noch den naechsten Huegel hoch schafft).
Ach und... so viele WEISSE! Wo um himmels Willen gibts denn so viele Weisse auf der Welt? Und warum kommen die alle nach Palolem??! So oder so aehnlich koennte sich ein nicht oertlicher Inder seine Gedanken machen wenn er den Strand betritt. Von indischen Touristen kaum eine Spur, von manieren bei manchen Ich-muss-am-ganzen-Koerper-ueberall-braun-sein Fetischisten zu meiner Veraergerung auch nicht.

Hampi war dann anders. Ein ebensolches Idyll. Ein kleines Juwel, huebsch anzuschauen, aber hier weniger Touristen. Mehr Armut, mehr Indien UND mehr Kultur. Ruinen, verfallene Palaeste und Tempel wohin das auge sieht. Besonders Tempel. Das ist auch praktisch. Kommt hier eine Schulklasse zu besuch faellt bestimmt fuer jeden der kleinen ein Tempel ab ueber den man ein Referat halten ‚darf’.
Tempel werden in massen langweilig. Saulenhalle, grosse Tuer, Schrein mit Gottheit. Wahlweise und nach groesse auch mit kleiner Schuhabgabestation und Kameragebuehr. Ich war trotzdem fasziniert von so viel aufregend altem.
Wieder daheim, nochmal Shopping und ein wenig Nachtleben und dann byebye Love. In gedanken sass ich wohl neben ihr am Fensterplatz in der Realitaet wieder im Buero.
Und jetzt?
Jetzt gehts nach Sri Lanka. Mehr Strand, mehr Elefanten und mehr Meer. Man darf gespannt sein.

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen. Geniale Erlebnisse,unglaubliche stories,affengeile Fotos(bist du der Araber?).Bin gespannt auf die anderen rückliegenden Erfahrungen.Plane auch einen trip,vielleicht dieses Jahr. Melde mich. Berichte weiter , du machst dasrichtig stark,bin schon süchtig. Mark

22 Februar, 2006 19:19

 
Anonymous Anonym said...

Hey Ulrich!

Schön, dass du dich mal wieder gemeldet und deine hungrigen Leser gefüttert hast! Toller Bericht!
Bleib dran!
Viele liebe Grüße,
Lena

25 Februar, 2006 15:33

 

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