Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Dienstag, März 28, 2006

Auf dem Sprung..

... nach Goa

Wie jetzt,Goa? Schon wieder? Ja... zum dritten mal. Was soll ich machen, alle meine lieben Jungs (und Maedels) die ich kennen, schaetzen und lieben gelernt habe, kommen da hin. Ausserdem gibts da Strand, guenstiges Bier und tolle Aussicht.
Manko: 36h Fahrt (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) Hab mir sagen lassen, dass das auch ein Erlebnis wert ist... wir werden sehen. Im allgemeinen ist es allerdings so, dass man doch recht viel von Indien sehen und entdecken kann bei einer Zugfahrt. Ausserdem bin ich im Schlafwagen eingebucht, was wiederum bedeutet, dass ich einfach eineinhalb Tage mit meinen 2 Buechern auf der faulen Haut liegen werde.

Wie's wierklich war, dann natuerlich wieder hier.

Wer sich wundert, warum ich so oft schreibe, bzw. so viel Zeit im Internetcafe verbringe: Das "Iway" ist klimatisiert.

Madurai ist abgesehen von der Hitze nicht uebel. Der Tempelkomplex hier ist gigantisch. So gross, dass ich mich gestern abend beinahe verlaufen haette.

Die Betrueger haben auch wieder ein Schnaeppchen mit mir gemacht, mir wurde eine Spriteflasche angedreht die schon geoeffnet war (also wieder mit Zuckerwasser aufgefuellt) und entgegen meiner sonstigen Gewohnheit habe ich nicht die Verschlusskappe gecheckt. Schmunzeln musste ich dennoch, weil der Hampel anstatt einer 0.5l Flasche, die 0.65l Editionsflasche benutzt hat... yeehaw, mehr Zuckerwasser fuer mich.

Was noch? Habe hier meine ersten Vertreter einer aussterbenden Zunft gesehen. Fahrradrickshawallahs. Die armen Kerle strampeln hier ueberall fuer einen Hungerlohn durch die Gegend. Das ist bestimmt nicht gesund bei der Hitze.
Mein Photo funktioniert wieder! Ist gestern Nacht von den Toten auferstanden. Also schiessen ich und mein mittlerweile rostiger Zombiefoto weiterhin Bilders. Die Besten werden nachgereicht.

Das wars wieder fuer heute. Der naechste Bericht dann vorraussichtlich aus Goa.


more to come,

Ulrich

Sonntag, März 26, 2006

geschreibsel II

Gestern noch beim Bambusfloostrekking, heute schonwieder in der Grossstadt. Madurai heisst die "Heimliche Hauptstadt des Suedens". Bisher eher alles andere als heimlich... mehr so im >100 Dezibelbereich und dreckig und stinkend etc. Dennoch, sieht man ueber den eben aufgezaehlten indischen Stadtalltag hinweg hat die kleine Metropole hier schon Flair mit der Altstadt, den engen Gaesschen und den dicht gedraengten Geschaeftchen fuer alles Moegliche.
Der Kontrast ist auf jeden Fall gegeben. Bis heute Morgen war ich ja wie berichtet in Kumily, einem <1000 Seelen Doerfchen, dass seine Bedeutung einzig dem Nahegelegenen Wildtierschutzgebiet verdankt und das auch nur, weil man auch einen Platz zum schlafen haben moechte bevor man trekken geht.
Bambusfloosfahren war auf jeden Fall klasse. Ist auch drin was draufsteht. Auf Schnickschnack wird verzichtet. Zwei Inder (incl guide) pro Floos die beim Trekken das Essen schleppen und beim Floosfahren paddeln, das Boot sind 8 dicke Bambusrohre und zwei Querstreben. Paddel Selbstgeschnitzt, sitzgelegenheiten aus Bambus gezimmert. Ziemlich archaisch also, aber eben auch mit viel englischem Kolonialherrengefuehl und wahnsinniger Aussicht. Leider wiederum nur wilde Schweine und ein paar Rehe gesehen. Die ~1000 Elefanten im Park zogen es vor uns aus dem Weg zu gehen war ja auch heiss an dem Tag... Koennen die dinger sich eigentlich eingraben? Ich meine wo zum Teufel versteckt man EIN TAUSEND E L E F A N T E N? Die Dinger passen ja nicht gerade in eine durchschnittliche Damenhandtasche...
Meine Hoffnungen mal einen Tiger zu Gesicht bekommen habe ich mittlerweile sowieso aufgegeben bei meinem Glueck haette er eh Hunger wenn er mir ueber den Weg laeuft.

Aus dem relativ kuehlen (hoechsttemperatur 34 Grad) Kumily geht es nun also hier in Madurai (Hoechsttemperatur -> nicht messbar) wieder auf die Pirsch. Diesmal wird nach Kultur Ausschau gehalten.

Am Donnerstag gehts dann weiter nach Goa.. Abschied feiern die zweite. Sebastian ist auch da, dass heisst es wird wohl wieder feucht froehlich werden.

Ich gruess euch die Welle,

Ulrich

Freitag, März 24, 2006

Geschreibsel zwischenai

Sitze gerade in einem normalen indischen mittelklasse Wohnzimmer. Die Familie, bei der ich hier untergekommen bin, verfuegt ueber eine dial-up connection. Yay me. Das typische indische Mittelklasseheim ist in etwa so romantisch wie ein Baustellendixiehaeuschen. Wer also seine Wohnung bei uns zu Hause indisch eingerichtet hat, meint nicht indisch, sondern Maharaja. Aber das mal beiseite.

Das leben hat es bisher gut gemeint auf meinem Trip. Cochin war der Hammer, sowohl was Unterkunft, als auch was Reiseziel betrifft. Die Backwaters waren so idyllisch wie ertraeumt, leider hat mein Photo den Ausflug in ebendiese nicht ueberlebt, weswegen es wohl schwierig werden wird mit Bildern von meinem aktuellen Trip. Von Cochin aus habe ich mich dann auf den Weg nach Kumily, einem kleinen Dorf neben einem Naturschutzgebiet (Periyar) gemacht. Die Reise hierher habe ich schriftlich festgehlaten auf dem Block, der nun meine Kamera ersetzt - imagine. Hier meine Erguesse:

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Auf dem Weg nach Kumily, Kamera kaputt, also muss ich schreiben, so wie Millionen vor mir und so wie es auch angemessen ist fuer Indien. Ein Schreiberling passt besser in die Gasse als ein Digitalkameratourist. Mein Bus hat keine Fenster und Tueren. Die waren da auch niemals vorgesehen so wies ausschaut. Es zieht. Gott sei Dank! In Kerela an der Kueste kennt man zzt. keine Temperaturen unter 30 Grad. Ergo gibt es fuer mich im Moment nur 2 Zustaende: Schweissgebadet oder frisch aus der Dusche. Zwischen 12:00 und 16:00 wird der Temperaturregler dann nochmal gnadenlos nach oben gedreht und doofe teilzeittouristen wie ich, die sich zu dieser Zeit auf die Strasse trauen werden zuerst rot und dann schwarzgekocht.
Es ist also mehr ein hopsen von Schattenplatz zu Schattenplatz als ein richtiger Spaziergeng den man ueber die Mittagszeit unternimmt. Mein Wasserverbrauch wird dokumentiert von einem Muelleimer der unter einem Berg durchsichtiger ein-liter Aquafina Flaschen begraben ist.
Zurueck in den Bus. Im Gegensatz zu man anderen Bundesstaaten sind die Strassen in Kerela recht gut. Was bedeutet ihre Aehnlichkeit mit einem schwarzen schweizer Kaese laesst zu wuenschen uebrig. Die Reise im Statebus ist dennoch nicht das gelbe vom Ei ( besonders wenn sie sieben Stunden dauert) allerdings zahlen Ziegen nur den halben Fahrtpreis. Bringt mir nichts, ich reise ohne weibliche Begleitung.
Am Busstand dann Stau. Ein paar wollen raus, alle anderen wollen rein. Sekunden spaeter wimmelt es auf dem Gang von Verkaeufern und Bettlern. Sie alle leiern (die meisten schon heiser) ihren Monotonen Singsang herunter z.b. "Water, Lemonade, Juice" in der Endlossschleife. Sie schreiten durch den Mittelgang, sind aber meist schonwieder weg, bevor sie wirklich von mir wahrgenommen werden. Genauso automatisert wie die Waren angeboten werden lehne ich sie ab.
Mist. Wasser alle. 20 Haendler im Bus und keiner von den Hallodris verkauft Wasser. Vielleicht sollte ich einen holen schicken? - Ja das geht. Aber fein ist das nicht, ich schaem mich ja.

Mein Bus hat ne Beule. Unterm Strich hat er ne ganze Menge davon, aber diese ist besonders, weil ich dabei war als sie gebohren wurde. Ein anderer Busfahrer mit der Intention einen zu kleinen Parkplatz fuer sein Monstrum zu beanspruchen hat uns den Anstoss gegeben doch etwas Platz zu machen. Ausser mir scheints niemanden zu interessieren. Der Bus Stand an sich ist sogar fuer indische Verhaeltnisse haesslich. Bedraengt von broeckeligen mehrstoeckigen Gebaeuden, die ueber und ueber mit Geschaeften und Reklame vollgestopft sind. Das staedtchen an sich ist Namenlos, das Strassenschild das auskunft haette geben sollen, zugeklebt.
Die Fahrt an sich ist wunderschoen. Der Busfahrer faehrt zwar wie ein Berserker, aber man gewoehnt sich an alles der Blick ueber die wogenden Huegel im Hochland durch das wir ueber Serpentinenstrassen kurven laesst einen traeumen.
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Heute Morgen (5:45 !! Die spinnen die Inder) war ich dann im Nationalpark trekken. Wege waren fuer den Guide nicht interessant, also ging es meistenteils querfeldein, mit Glueck auf kaum ausgetretenen Pfaden, in der Regel einfach mittendurch. Ein klein wenig Indiana Jones Gefuehl macht sich da schon breit. Von Blutegel bleiben wir weitestgehend verschont (ich hatte nur einen am Bein haengen) von Elefanten und Raubkatzen leider ebenfalls.

Das wars fuer heute. Das naechste Reiseupdate gibts dann wahrscheinlich wieder aus dem Internetcafe.

more to come,

Ulrich

Donnerstag, März 16, 2006

BEKANNTMACHUNG

Meine Liebste hat heute Geburtstag und aus bekannten Gruenden kann ich leider nicht bei ihr sein. Gott sei Dank kann man heutzutage dennoch Kontakt aufnehmen. Sogar uebers Weblog.

Auf diesem Wege wuensche ich einer wunderschoenen Frau einen wunderschoenen Geburtstag. Ich hoffe ihr feiert schoen im kalten Deutschland.



In Liebe,

Ulrich

Mittwoch, März 15, 2006

Von schlafenden Loewen und singenden Indern

Heute zwei Eintraege an einem Tag.

Am Wochenende gings wie vorausgesagt Richtung Ooty mit nem gemieteten Kleinbus, 11 jungen Leuten, ner Gitarre und ner Menge guter Laune. Ankunft: halb 6 Uhr morgens, Schlaf, wie zu erwarten war, Fehlanzeige. Bei dem Geholper haette selbst jemand mit Schlafkrankheit kein Auge zu gemacht. Um nicht direkt nach der Ankunft ins Wachkoma zu verfallen gings dann erstmal trekken. Und mit der Sonne und der Natur erwachten auch unsere Lebensgeister wieder aufs neue. Nicht das sie eine Wahl gehabt haetten. Zum Einen wurden wir bombardiert mit wunderschoenen Eindruecken und zum Anderen gings die ersten eineinhalb Stunden stetig bergauf – folglich atemberaubend in jeder Hinsicht, Belohnung war dann natuerlich ein unvergesslicher Ausblick. Den Rest vom Tag wurde weggedoest, am Pool relaxed und aufgefuttert. Abends waren dann eigentlich alle fertig genug um schlafen zu gehen. Dennoch ging niemand. Fuer mich, Roohshad, Lena und Sebi war damit Gitarrespielen und Singen bis in die Morgenstunden angesagt. In der Nacht hat bestimmt kein Loewe ein Auge zu gemacht. An dieser Stelle mal Danke an die Mittrinkersinger.
Gluecklicherweise hatte ich dem Alkohol in ausreichenden Mengen zugesprochen, so dass die Nacht (der Morgen) im Schlafsaal fuer mich im Alkoholbeinahevergiftungskomaschlaf vorbeiging. Das sollte sich als klasse herausstellen. Der Rest des Raumes wurde naemlich von einem Schrei-schnarcher akustisch in den Wahnsinn getrieben. So gruendlich, dass zwei von uns mitsamt Bett die Flucht aus dem Zimmer in den Vorraum ergriffen um dort ihrem verzweifelten Ruhebeduerfnis zu einem Happy End zu verhelfen.
Die Safari am naechsten Tag im Bandipur National Park war wunderschoen, wenn auch fuer unsere Gruppe (wir hatten 2 Jeeps) was die fauna anbetrifft ziemlich ereignislos. Haufenweise Affen, Spottet-deer und Pfaue waren zu sehen, dazu noch Papageien und jede Menge anderer exotischer Voegel. Unsere Hoffnungen Elefanten oder gar einen Tiger zu sehen blieben leider unerfuellte wuensche. Die angesprochenen Objekte der Begierde waren zu der Zeit als wir (sogar im schallgedaempften!!) Jeep durch die Gegend fuhren, leider zu beschaeftigt damit sich dem anderen Teil unserer Gruppe vors Auto zu werfen. Die Reisegruppe spielte beim wiederzusammentreffen dann kurz lachender und weinender Clown (jeweils die Haelfte durfte einen Part uebernehmen – ich war wie erwaehnt in der Mundwinkel-unten Truppe) bevors endgueltig wieder in die Heimat ging.

Wikipedia schreibt:
Fünf Tage nach dem Vollmond ist Rangapancami (Raga = Farbe; Pancami = der 5. lunare Tag), der zweite Tag des Festes. An diesem Tag sind alle Schranken durch Kaste, Geschlecht, Alter und gesellschaftlichem Status aufgehoben. Es wird ausgelassen gefeiert und man besprengt und bestreut sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser und gefärbtem Puder (genannt Gulal).

Heute ist der Zweite Festtag von Holi. Hatte keine Ahnung was Holi ist, wie man sich da verhaelt, was passiert und wer da mitmacht (um genau zu sein, habe ich mir die Wikipedia definition gerade erst angeschaut). Muthu hatte Sebi und mich eingeladen das Fest mit ihm und seinen Jungs zu feiern. Beste Vorraussetzungen also das ganze Hautnah zu erfahren und alle meine Fragen zu beantworten.
Heute Morgen um halb elf gings los. Und wie das los geht wenn die Inder mal anfangen zu feiern. 15 Mann, viel zu viel Whiskey (Am MORGEN!! Ich hatte nichtmal was gegessen! und man hat ja einen Ruf zu verteidigen...) und Farben. 10 Sekunden nachdem der erste meine Ankunft im Privathaus bemerkt hatte war ich schon ueber und ueber mit ebensolcher bedeckt. Die frohlich grellen Farbpuderpaeckchen wurden waehrend der mehrstuendigen Feier zu mehreren Dutzend und ueberall hin entleert und nur wer schon einmal mit Indern ausgelassen gefeiert hat, kann nachvollziehen welchen Spass Sebastian und ich hatten. Keine Ahnung ob die Bude von Amid, dem Hausherrn, jemals wieder sauber wird. Die Bilder sprechen eine deutlichere Sprache als jeder Text das koennte.

Enjoy!



Die Farben sind so bunt und sehen so ganz anders aus als meine Haut, dass dann doch der Punkt kommt an dem ich das Zeug loshaben moechte. Leider halten die Inder offenbar sehr viel vom farbenfrohen Erscheinungsbild. Das Zeug geht nicht ab. Fuer heute hab ich genug geschrubbt, morgen frueh gibts den zweiten Versuch.



Lange habe ich gezoegert das hier zu schreiben. Aber alle Sentimentalitaeten verlaengern meinen Aufenthalt nicht und so gebe ich bekannt, dass meine Zeit in Indien am ersten Wochenende im April fuers Erste endet. Vor dem Heimflug reise ich noch 3 Wochen durch Suedindien, das heisst, dass auch mein letzter Arbeitstag naeher rueckt. Ueber den Abschied denke ich nicht gerne nach, dafuer um so gernerer ueber die Ankunft. Jungs, stellt schonmal das Bier kalt Muetter sperrt die Toechter ein, der Ulrich hat seinen Aufenthalt so gut wie ueberlebt und kommt heim.

Fuer alle Leser die jetzt heulend und Haare raufend vorm Bildschirm sitzen und mit himmelwaerts gerichtetem Blick ein „Warum?!“ in die Welt entlassen: Keine Panik. Das war noch lange nicht der letzte Eintrag.

More to come,

Ulrich

Freitag, März 10, 2006

Aus dem Dschungel in den Dschungel oder Tout survival training

Von Indien nach Sri Lanka, schien mir nicht weit. Sowohl kulturell als auch geografisch gesehen. Letzteres stimmt wohl auch. Nach gemuetlichen eineinhalb Stunden Flug (in denen sie auch noch ein Essen unterbringen ?!) landete ich in Colombo.
Wie schon bei tausendeinhundertelfmillionen Urlauber vor mir, schlaegt mir beim Ersten Schritt aus der Maschine eine Begebenheit namens oertlichesklima den Beruehmten Hitzehammer direkt in die Birne so dass ich meinen Visastempel mehr oder minder benebelt abhole. Da bekiffte Urlauber offensichtlich kein seltener Anblick sind, gabs keine Probleme. Nachdem der Flughafen vor ein paar Jaehrchen von ein paar durchgeknallten Terroristen ziemlich gruendlich dem Erdboden gleich gemacht wurde, ist alles noch sehr neu und klimatisiert. Was eigentlich nur heisst, dass der Koerper sich in den Raeumlichkeiten gerne nochmal vom Temperaturschock erholen darf bevor man dann das Flughafengebaeude verlaesst (da wartet dann auch schon wieder oertlichesklima mit dem Haemmerchen). Alles zoegern nuetzt nichts, die lassen mich da nicht schlafen. Also doch raus in die Hitze. 35 Grad und eine fast 80%ige Luftfeuchtigkeit laufen mir in kleinen Rinnsalen den Koerper hinunter. Aber es gibt Hoffnung, zum einen bin ich nicht der einzige menschliche Springbrunnen, zum anderen gewoehnt man sich daran, mit Handtuch herumzulaufen.

Erster Eindruck... vielleicht doch nicht so sehr Indien wie ich dachte. Die Strassen ordentlich geteert, die Gehwege sogar in der Hauptstadt Colombo einigermassen Sauber und alle Zimmer in denen ich logierte, wurden ebenfalls peniebel sauber gehalten.
Ueber Colombo an sich gibts nicht allzuviel zu erzaehlen. Stadt am Meer, Hafen, HAFENGERUCH und jede Menge Verkehr. Wie in Indien auch hier jede Menge Kleinhaendler an jeder Ecke, Jede Menge Bettler und Betrueger die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen und Rikshaws so weit das Auge sieht. Immerhin, verglichen mit Bangalore ist der Verkehr ertraeglich und man ertrinkt auch nicht in wogenden Menschenmassen sobald man sich vor die Tuer traut. Leider musste ich von 9 Tagen in Sri Lanka 4 in Colombo verbringen, da ich mich fuer ein indisches Visum bewarb und die oertlichen Behoerden sich am indischen Arbeitsryhmus orientieren (Man Stelle sich ein unglaublich grosses Metronom vor, bei dem das Gewicht ganz oben angebracht wurde). Das bedeutet, "kommen sie am ersten, am 7., 8. und 9. Tag" ihrer Reise vorbei. Nach sechs monaten Bangalore City kann man vielleicht meine unbaendige Freude darueber erahnen, das ich im Traumland Sri Lanka wieder die haelfte meiner Zeit in einer Metropole verbringen durfte. Immerhin, an jeder Ecke gibts nen Soldaten mit Gewehr, die stehen da den ganzen Tag (terroristische Anschlaege sind in Sri Lanka keine Seltenheit) und sind unglaublich froh und hilfsbereit wenn sie jemand nach dem Weg fragt. Endlich was zu tun.

Die 5einhalb verbleibenden Tage habe ich dann allerdings doch voll genutzt. Die ersten paar im Hochland und die letzten eineinhalb am Strand.
Allein die Zugfahrt nach Kandy, einem kleinen Stadtchen dass sich in einem kleinen Tal um einen See draengt, war schon ein Erlebnis fuer sich.
Sri Lanka kommt mir nach den paar Tagen natuerlicher vor als Indien, weniger Plantagen, mehr Urwald. Affen gibts ueberall und auch den einen oder anderen Elefant sieht man auf der Strasse oder zwischen den Baeumen.
Von Kandy aus besuchte ich in den naechsten drei Tagen alle naheliegenden Sehenswuerdigkeiten, von denen wohl Siringia die erwaehnenswerteste ist. Die Stolzen 17 Euro Eintritt (natuerlich nur fuer Touris, Sri Lankaner 4 free) haben sich definitiv gelohnt. Durch die alten Wassergaerten (durchzogen von Kanaelen) bewegt man sich auf einen 400 meter hohen Felsen zu, der oben flach und die hoechste Erhebung in sichtweite ist. Die geniale aussicht wird am Fusse des Berges immer wieder gestoert von Gesichtern die sich in mein Blickfeld schieben und Muendern die mir wasweissdennichwie die Last, meinen Geldbeutel zu tragen, erleichtern moechten. Aber Kopfhoerer auf, Musik aufdrehen und zu Eric Clapton einfach rhytmisch den Kopf schuetteln. - hilft. Danach muss man die 400 Meter auf Treppen ueberwinden, was bedeutet, dass einem, wenn schon nicht wegen der Aussicht, dann auf jeden Fall wegen Steigung und Hitze der Atem wegbleibt. Dennoch, eine Flasche Wasser und ein durchgeschwitztes T-Shirt spaeter stehe ich oben. Dort, mit Ausblick ueber einen Nationalpark und viel unbebautes Land durfte ich eine der schoensten Ausblicke meines Lebens geniessen.
Ansonsten habe ich viele Elefanten gesehen, viele Tempel besucht und viele Kilometer zu Fuss hinter mich gebracht und dennoch nichteinmal einen Bruchteil dessen sehen koennen was das Hochland Sri Lankas zu bieten hat.
Trotzdem, keine Zeit, keine Zeit, nur noch ein Tag am Strand (2 Naechte) also wieder ab in den Zug, mittlerweile hatte ich mir auch angewoehnt nicht mehr im Sitz, sondern zwischen den Wagen, auf dem Trittbrett, mitzufahren. Luft, Klima und Aussicht sind da um Klassen besser. Tueren werden natuerlich nicht geschlossen.

Ich hatte Glueck und habe auf der Zugfahrt einen Singalesen kennen gelernt, der ein kleines Zimmer in seinem Heim Travellern fuer ein Taschengeld zur Verfuegung stellt und so konnte ich das Familienleben Sri Lankas mit-erleben. Morgens von der kleinen Enkelin geweckt und Abends mit dem Besitzerehepaar Arrak (oertlicher Kokosschnaps) getrunken und Anektdoten ausgetauscht. Die Abende waren so schoen, dass sogar der Strand dagegen alt aussieht. Dennoch, schnorcheln am oertlichen Korallenriff (das meiste leider abgestorben zwecks Klimaveraenderung) und tauchen mit einer Riesenschildkroete (schwamm da so rum) hatten auch was fuer sich.

In meiner Zeit in Sri Lanka habe ich so viele Herzzerreissende Geschichten gehoert und so viele Methoden Erfahren, um dem anderen Geld aus der Tasche zu ziehen, dass ich euch ein paar der Standartsachen nicht vorenthalten moechte, so dass ihr in Suedostasien nicht schon zu beginn eurer Reise die haelfte eures Budgets in die oertliche Spirituosenindustrie investiert habt (Bettler kaufen Schnaps – face it). Inspiriert wude das ganze von Jakob, einem Schweden den ich kennenlernte. Sein grosses Herz hat ihn Geld gekostet.



1 Der schnoede Bettler
Fast schon langweilig und auch im vergleich zu anderen Nepps nicht sehr lukrativ, der normale Bettler. Wenn er gar zu schlimm verstuemmelt oder alt und hilflos aussieht kann man fuers Gewissen auch mal einen 10er (10 SRILANKANISCHE RUPEES! = 8ct.) springen lassen. Aber: Bettler kaufen Schnaps!

2 Der Rikshawfahrer (1)
Es gibt nur eine Art. Die unehrliche. Unehrlich ist ehrlich scheisse wenn man nicht weiss wie viel der fahrbare Untersatz fuer die Entfernung zu kosten hat. Wenn man gar nicht weiss wie weit das ziel vom Ausgangsort entfernt ist und der Fahrer bekommts mit, hilft auch kein Beten mehr. Im Normalfall wird dem Durchschnittstourist, mit Laecheln und hilfsbereiter Miene etwa das 3-5fache des Fahrtpreises abgeknoepft. Gerne auch mit Zuschlag. (Tomorrow I will visit my daughter, but I do not have money for milk powder... could you help?), in dem man auf die Traenendruese drueckt.
Es sind in etwa 40- 60 Srilankanische Rupees pro Kilometer. Aber um das als Weisser zu bezahlen sollte man schon feilschen koennen... die Jungs sind taff.

3 Der Rikshawfahrer (2)
Ein Trick der in Colombo gerade sehr aktuell ist, ist die Elefantenprozession. Das geht dann so. Eine Rickshaw bremst scharf direkt neben dem weiss oder rothaeutigen passanten und der Fahrer ruft laut was fuer ein GLUECK man hat das man gerade HEUTE hier ist weil gerade jetzt ind 5 minuten ein paar Kilometer weiter die grosse Prozession statt findet die es nur alle 500 Jahre gibt, mit Taenzern und Ruesseltieren und allem drum und dran.
In Colombo gibt es einen Tempel, mit einem armen Elefanten davor, der dort sein leben fristet. Etwa alle 10 Minuten haelt dort eine Rickshaw die verdutzte Touristen mit Kameras im Anschlag entlaesst die daraufhin den Elefanten knipsen und enttaeuscht feststellen, dass die Prozession doch schon weg ist. Also weider mit der Rickhaw nach Hause. Doppeltes geschaeft fuer den Fahrer fuer eine Fahrt die man nicht machen wollte, fuer 4-5 mal den Preis den ein einheimischer bezahlt haette.
Gott, in meinem naechsten Leben lass mich Rickshawfahrer in Colombo werden.

4 Der Rikshawfahrer (3)
Wenn die Jungs euch ein Geschaeft zeigen moechten, sagt um himmels Willen NEIN! Das ist dann der Schwager eines Freundes der im Hinterhof eurer Alptraeume die Souvenirs die ihr nicht wolltet zu Preisen die niemand bezahlen kann verkauft. Standartspruch: Only look, looking is free. Die kommen euch emotional und versuchen euch einzuwickeln. Die kommen alle auf die Emotionale Schiene. Aber das sind nicht eure Freunde, auch wenn sie so tun als ob ihr euch schon ewig kennt. Stellt euch einfach einen geldsaugenden Vampir im gewand eines buddhistischen Moenchs vor und das nein sagen wird einfacher.
Rickshawfahrer tinken auch Schnaps.

5 Die traurige Geschichte
Ein vermeintlich netter Mann mittleren alters sagt hallo und beginnt sich vorzustellen. Ein hoefliche konversation kommt in gange (Sri Lanka und Indien ist offener und freundlicher – man unterhaelt sich gerne mit fremeden, nichts ungewoehnliches also) und waehrend man sich noch ueber Kontakt mit den einheimischen freut werden auf einmal die allertraurigsten aller Geschichten die das leben schreibt ausgepackt, breitgetreten, heruntergejammert und mit aufgehaltener Hand beendet.
Bettler kaufen Schnaps.

6 Der Fuehrer
Gemeint ist der oertliche Reisefuehrer, der einen anspricht wie die Person aus nummer 5 und ungefragt und wild anfaengt etwas ueber die aktuelle Oertlichkeit zu erzehlen. Vorsicht, was anfangs als nettigkeit beginnt wird teuer. Ein staatlicher Fuehrer (haben immer ein Kartchen von Ceilon Tourist Board dabei) verlangt 300 – 500 Rs fuer ein bis 2 Stunden Fuerhrung. Die Jungs die euch auf der strasse auflesen verlangen fuer die haelfte der Information das doppelte.. und auch wenn ihr nicht danach gefragt habt. Verlangt wird meistens sind die schon betrunken wenn sie euch ansprechen, es gehoert also nicht viel dazu sich meinen Schlusssatz zusammenzureimen.

7 Muenzen
Fuer die Muenzsammlung, als Andenken oder einfach so. Behaltet eure europaeische Kohle. Der Neffe hat keine Muenzsammlung, das Kind bekommt den Euro auch nicht zu Gesicht. Die ergaunerte Euromuenze wird dem naechsten Touri gezeigt, mit den Worten das man damit bezahlt worden waere und ob man wechseln kann. Fuer einen Euro bekommt man, na? Richtig, ein Bier.

8 Tickets
Kauft keine Tickets. Irgendwie verkauft jeder Tickets fuer Events die niemals statt finden werden. Im allgemeinen rennt einem der durchschnittliche Ticketverkaeufer in Deutschland nicht wie wild hinterher und klaert einen ueber jedes Ereignis in der Stadt auf das am aktuellen Abend passiert. In Sri Lanka ist das genauso. Wenn man wissen will was wirklich passiert (siehe auch 2) - das oertliche Touristenbuero ist sehr hilfreich.

9 Stumme und taube.
Sri Lanka ist die Welthauptstadt der stummen und tauben. Lehrer aus allen Teilen des Landes sammeln in den grossen Staedten ehrenamtlich fuer ihre Schuetzlinge. Nicht gewusst? Stimmt auch nicht. Ich habe schon Stumme reden hoeren als ich ihnen kein Geld gab und ich hab schon taube verstehen sehen als ich die richtigen Worte fuer sie gefunden hatte. Im allgemeinen erzaehle ich dem vermeintlichen Lehrer, was fuer ein Zufall das ist. Ich bin naemlich auch taubstumm. Und ich sammle. Allerdings fuer Zaepfle.

10 Die Jungs loswerden
Es waere wirklich schade, wenn man sich aufgrund des geschriebenen den Einheimischen einfach ganz verschliesst. Die Leute hier sind offen und viele sind ehrlich, ich hatte wunderbare Gespraeche mit Einheimischen. Man sollte eben nur immer auf der Hut sein. Der Weisse zieht den Nepper an wie ein Schrottplatzmagnet das Eisenspaenchen. Sobald die Sprache aufs Geld kommt, einfach klarmachen das hier nichts zu holen ist. Die meisten verschwinden daraufhin so schnell sie gekommen sind.


Sri Lanka ist ein Traumland und jedem zu empfehlen. Ich geh wieder hin. Aber dieses Wochenende gehts erstmal in den Dschungel, den Indischen. Sebstian, der Praktikant der mich in meinem aktuellen Job ersetzen wird, ich und ein paar andere praktikanten brechen auf und erforschen die Gegend um Ooty. Man darf gespannt sein.