Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Freitag, März 10, 2006

Aus dem Dschungel in den Dschungel oder Tout survival training

Von Indien nach Sri Lanka, schien mir nicht weit. Sowohl kulturell als auch geografisch gesehen. Letzteres stimmt wohl auch. Nach gemuetlichen eineinhalb Stunden Flug (in denen sie auch noch ein Essen unterbringen ?!) landete ich in Colombo.
Wie schon bei tausendeinhundertelfmillionen Urlauber vor mir, schlaegt mir beim Ersten Schritt aus der Maschine eine Begebenheit namens oertlichesklima den Beruehmten Hitzehammer direkt in die Birne so dass ich meinen Visastempel mehr oder minder benebelt abhole. Da bekiffte Urlauber offensichtlich kein seltener Anblick sind, gabs keine Probleme. Nachdem der Flughafen vor ein paar Jaehrchen von ein paar durchgeknallten Terroristen ziemlich gruendlich dem Erdboden gleich gemacht wurde, ist alles noch sehr neu und klimatisiert. Was eigentlich nur heisst, dass der Koerper sich in den Raeumlichkeiten gerne nochmal vom Temperaturschock erholen darf bevor man dann das Flughafengebaeude verlaesst (da wartet dann auch schon wieder oertlichesklima mit dem Haemmerchen). Alles zoegern nuetzt nichts, die lassen mich da nicht schlafen. Also doch raus in die Hitze. 35 Grad und eine fast 80%ige Luftfeuchtigkeit laufen mir in kleinen Rinnsalen den Koerper hinunter. Aber es gibt Hoffnung, zum einen bin ich nicht der einzige menschliche Springbrunnen, zum anderen gewoehnt man sich daran, mit Handtuch herumzulaufen.

Erster Eindruck... vielleicht doch nicht so sehr Indien wie ich dachte. Die Strassen ordentlich geteert, die Gehwege sogar in der Hauptstadt Colombo einigermassen Sauber und alle Zimmer in denen ich logierte, wurden ebenfalls peniebel sauber gehalten.
Ueber Colombo an sich gibts nicht allzuviel zu erzaehlen. Stadt am Meer, Hafen, HAFENGERUCH und jede Menge Verkehr. Wie in Indien auch hier jede Menge Kleinhaendler an jeder Ecke, Jede Menge Bettler und Betrueger die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen und Rikshaws so weit das Auge sieht. Immerhin, verglichen mit Bangalore ist der Verkehr ertraeglich und man ertrinkt auch nicht in wogenden Menschenmassen sobald man sich vor die Tuer traut. Leider musste ich von 9 Tagen in Sri Lanka 4 in Colombo verbringen, da ich mich fuer ein indisches Visum bewarb und die oertlichen Behoerden sich am indischen Arbeitsryhmus orientieren (Man Stelle sich ein unglaublich grosses Metronom vor, bei dem das Gewicht ganz oben angebracht wurde). Das bedeutet, "kommen sie am ersten, am 7., 8. und 9. Tag" ihrer Reise vorbei. Nach sechs monaten Bangalore City kann man vielleicht meine unbaendige Freude darueber erahnen, das ich im Traumland Sri Lanka wieder die haelfte meiner Zeit in einer Metropole verbringen durfte. Immerhin, an jeder Ecke gibts nen Soldaten mit Gewehr, die stehen da den ganzen Tag (terroristische Anschlaege sind in Sri Lanka keine Seltenheit) und sind unglaublich froh und hilfsbereit wenn sie jemand nach dem Weg fragt. Endlich was zu tun.

Die 5einhalb verbleibenden Tage habe ich dann allerdings doch voll genutzt. Die ersten paar im Hochland und die letzten eineinhalb am Strand.
Allein die Zugfahrt nach Kandy, einem kleinen Stadtchen dass sich in einem kleinen Tal um einen See draengt, war schon ein Erlebnis fuer sich.
Sri Lanka kommt mir nach den paar Tagen natuerlicher vor als Indien, weniger Plantagen, mehr Urwald. Affen gibts ueberall und auch den einen oder anderen Elefant sieht man auf der Strasse oder zwischen den Baeumen.
Von Kandy aus besuchte ich in den naechsten drei Tagen alle naheliegenden Sehenswuerdigkeiten, von denen wohl Siringia die erwaehnenswerteste ist. Die Stolzen 17 Euro Eintritt (natuerlich nur fuer Touris, Sri Lankaner 4 free) haben sich definitiv gelohnt. Durch die alten Wassergaerten (durchzogen von Kanaelen) bewegt man sich auf einen 400 meter hohen Felsen zu, der oben flach und die hoechste Erhebung in sichtweite ist. Die geniale aussicht wird am Fusse des Berges immer wieder gestoert von Gesichtern die sich in mein Blickfeld schieben und Muendern die mir wasweissdennichwie die Last, meinen Geldbeutel zu tragen, erleichtern moechten. Aber Kopfhoerer auf, Musik aufdrehen und zu Eric Clapton einfach rhytmisch den Kopf schuetteln. - hilft. Danach muss man die 400 Meter auf Treppen ueberwinden, was bedeutet, dass einem, wenn schon nicht wegen der Aussicht, dann auf jeden Fall wegen Steigung und Hitze der Atem wegbleibt. Dennoch, eine Flasche Wasser und ein durchgeschwitztes T-Shirt spaeter stehe ich oben. Dort, mit Ausblick ueber einen Nationalpark und viel unbebautes Land durfte ich eine der schoensten Ausblicke meines Lebens geniessen.
Ansonsten habe ich viele Elefanten gesehen, viele Tempel besucht und viele Kilometer zu Fuss hinter mich gebracht und dennoch nichteinmal einen Bruchteil dessen sehen koennen was das Hochland Sri Lankas zu bieten hat.
Trotzdem, keine Zeit, keine Zeit, nur noch ein Tag am Strand (2 Naechte) also wieder ab in den Zug, mittlerweile hatte ich mir auch angewoehnt nicht mehr im Sitz, sondern zwischen den Wagen, auf dem Trittbrett, mitzufahren. Luft, Klima und Aussicht sind da um Klassen besser. Tueren werden natuerlich nicht geschlossen.

Ich hatte Glueck und habe auf der Zugfahrt einen Singalesen kennen gelernt, der ein kleines Zimmer in seinem Heim Travellern fuer ein Taschengeld zur Verfuegung stellt und so konnte ich das Familienleben Sri Lankas mit-erleben. Morgens von der kleinen Enkelin geweckt und Abends mit dem Besitzerehepaar Arrak (oertlicher Kokosschnaps) getrunken und Anektdoten ausgetauscht. Die Abende waren so schoen, dass sogar der Strand dagegen alt aussieht. Dennoch, schnorcheln am oertlichen Korallenriff (das meiste leider abgestorben zwecks Klimaveraenderung) und tauchen mit einer Riesenschildkroete (schwamm da so rum) hatten auch was fuer sich.

In meiner Zeit in Sri Lanka habe ich so viele Herzzerreissende Geschichten gehoert und so viele Methoden Erfahren, um dem anderen Geld aus der Tasche zu ziehen, dass ich euch ein paar der Standartsachen nicht vorenthalten moechte, so dass ihr in Suedostasien nicht schon zu beginn eurer Reise die haelfte eures Budgets in die oertliche Spirituosenindustrie investiert habt (Bettler kaufen Schnaps – face it). Inspiriert wude das ganze von Jakob, einem Schweden den ich kennenlernte. Sein grosses Herz hat ihn Geld gekostet.



1 Der schnoede Bettler
Fast schon langweilig und auch im vergleich zu anderen Nepps nicht sehr lukrativ, der normale Bettler. Wenn er gar zu schlimm verstuemmelt oder alt und hilflos aussieht kann man fuers Gewissen auch mal einen 10er (10 SRILANKANISCHE RUPEES! = 8ct.) springen lassen. Aber: Bettler kaufen Schnaps!

2 Der Rikshawfahrer (1)
Es gibt nur eine Art. Die unehrliche. Unehrlich ist ehrlich scheisse wenn man nicht weiss wie viel der fahrbare Untersatz fuer die Entfernung zu kosten hat. Wenn man gar nicht weiss wie weit das ziel vom Ausgangsort entfernt ist und der Fahrer bekommts mit, hilft auch kein Beten mehr. Im Normalfall wird dem Durchschnittstourist, mit Laecheln und hilfsbereiter Miene etwa das 3-5fache des Fahrtpreises abgeknoepft. Gerne auch mit Zuschlag. (Tomorrow I will visit my daughter, but I do not have money for milk powder... could you help?), in dem man auf die Traenendruese drueckt.
Es sind in etwa 40- 60 Srilankanische Rupees pro Kilometer. Aber um das als Weisser zu bezahlen sollte man schon feilschen koennen... die Jungs sind taff.

3 Der Rikshawfahrer (2)
Ein Trick der in Colombo gerade sehr aktuell ist, ist die Elefantenprozession. Das geht dann so. Eine Rickshaw bremst scharf direkt neben dem weiss oder rothaeutigen passanten und der Fahrer ruft laut was fuer ein GLUECK man hat das man gerade HEUTE hier ist weil gerade jetzt ind 5 minuten ein paar Kilometer weiter die grosse Prozession statt findet die es nur alle 500 Jahre gibt, mit Taenzern und Ruesseltieren und allem drum und dran.
In Colombo gibt es einen Tempel, mit einem armen Elefanten davor, der dort sein leben fristet. Etwa alle 10 Minuten haelt dort eine Rickshaw die verdutzte Touristen mit Kameras im Anschlag entlaesst die daraufhin den Elefanten knipsen und enttaeuscht feststellen, dass die Prozession doch schon weg ist. Also weider mit der Rickhaw nach Hause. Doppeltes geschaeft fuer den Fahrer fuer eine Fahrt die man nicht machen wollte, fuer 4-5 mal den Preis den ein einheimischer bezahlt haette.
Gott, in meinem naechsten Leben lass mich Rickshawfahrer in Colombo werden.

4 Der Rikshawfahrer (3)
Wenn die Jungs euch ein Geschaeft zeigen moechten, sagt um himmels Willen NEIN! Das ist dann der Schwager eines Freundes der im Hinterhof eurer Alptraeume die Souvenirs die ihr nicht wolltet zu Preisen die niemand bezahlen kann verkauft. Standartspruch: Only look, looking is free. Die kommen euch emotional und versuchen euch einzuwickeln. Die kommen alle auf die Emotionale Schiene. Aber das sind nicht eure Freunde, auch wenn sie so tun als ob ihr euch schon ewig kennt. Stellt euch einfach einen geldsaugenden Vampir im gewand eines buddhistischen Moenchs vor und das nein sagen wird einfacher.
Rickshawfahrer tinken auch Schnaps.

5 Die traurige Geschichte
Ein vermeintlich netter Mann mittleren alters sagt hallo und beginnt sich vorzustellen. Ein hoefliche konversation kommt in gange (Sri Lanka und Indien ist offener und freundlicher – man unterhaelt sich gerne mit fremeden, nichts ungewoehnliches also) und waehrend man sich noch ueber Kontakt mit den einheimischen freut werden auf einmal die allertraurigsten aller Geschichten die das leben schreibt ausgepackt, breitgetreten, heruntergejammert und mit aufgehaltener Hand beendet.
Bettler kaufen Schnaps.

6 Der Fuehrer
Gemeint ist der oertliche Reisefuehrer, der einen anspricht wie die Person aus nummer 5 und ungefragt und wild anfaengt etwas ueber die aktuelle Oertlichkeit zu erzehlen. Vorsicht, was anfangs als nettigkeit beginnt wird teuer. Ein staatlicher Fuehrer (haben immer ein Kartchen von Ceilon Tourist Board dabei) verlangt 300 – 500 Rs fuer ein bis 2 Stunden Fuerhrung. Die Jungs die euch auf der strasse auflesen verlangen fuer die haelfte der Information das doppelte.. und auch wenn ihr nicht danach gefragt habt. Verlangt wird meistens sind die schon betrunken wenn sie euch ansprechen, es gehoert also nicht viel dazu sich meinen Schlusssatz zusammenzureimen.

7 Muenzen
Fuer die Muenzsammlung, als Andenken oder einfach so. Behaltet eure europaeische Kohle. Der Neffe hat keine Muenzsammlung, das Kind bekommt den Euro auch nicht zu Gesicht. Die ergaunerte Euromuenze wird dem naechsten Touri gezeigt, mit den Worten das man damit bezahlt worden waere und ob man wechseln kann. Fuer einen Euro bekommt man, na? Richtig, ein Bier.

8 Tickets
Kauft keine Tickets. Irgendwie verkauft jeder Tickets fuer Events die niemals statt finden werden. Im allgemeinen rennt einem der durchschnittliche Ticketverkaeufer in Deutschland nicht wie wild hinterher und klaert einen ueber jedes Ereignis in der Stadt auf das am aktuellen Abend passiert. In Sri Lanka ist das genauso. Wenn man wissen will was wirklich passiert (siehe auch 2) - das oertliche Touristenbuero ist sehr hilfreich.

9 Stumme und taube.
Sri Lanka ist die Welthauptstadt der stummen und tauben. Lehrer aus allen Teilen des Landes sammeln in den grossen Staedten ehrenamtlich fuer ihre Schuetzlinge. Nicht gewusst? Stimmt auch nicht. Ich habe schon Stumme reden hoeren als ich ihnen kein Geld gab und ich hab schon taube verstehen sehen als ich die richtigen Worte fuer sie gefunden hatte. Im allgemeinen erzaehle ich dem vermeintlichen Lehrer, was fuer ein Zufall das ist. Ich bin naemlich auch taubstumm. Und ich sammle. Allerdings fuer Zaepfle.

10 Die Jungs loswerden
Es waere wirklich schade, wenn man sich aufgrund des geschriebenen den Einheimischen einfach ganz verschliesst. Die Leute hier sind offen und viele sind ehrlich, ich hatte wunderbare Gespraeche mit Einheimischen. Man sollte eben nur immer auf der Hut sein. Der Weisse zieht den Nepper an wie ein Schrottplatzmagnet das Eisenspaenchen. Sobald die Sprache aufs Geld kommt, einfach klarmachen das hier nichts zu holen ist. Die meisten verschwinden daraufhin so schnell sie gekommen sind.


Sri Lanka ist ein Traumland und jedem zu empfehlen. Ich geh wieder hin. Aber dieses Wochenende gehts erstmal in den Dschungel, den Indischen. Sebstian, der Praktikant der mich in meinem aktuellen Job ersetzen wird, ich und ein paar andere praktikanten brechen auf und erforschen die Gegend um Ooty. Man darf gespannt sein.