Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Freitag, März 24, 2006

Geschreibsel zwischenai

Sitze gerade in einem normalen indischen mittelklasse Wohnzimmer. Die Familie, bei der ich hier untergekommen bin, verfuegt ueber eine dial-up connection. Yay me. Das typische indische Mittelklasseheim ist in etwa so romantisch wie ein Baustellendixiehaeuschen. Wer also seine Wohnung bei uns zu Hause indisch eingerichtet hat, meint nicht indisch, sondern Maharaja. Aber das mal beiseite.

Das leben hat es bisher gut gemeint auf meinem Trip. Cochin war der Hammer, sowohl was Unterkunft, als auch was Reiseziel betrifft. Die Backwaters waren so idyllisch wie ertraeumt, leider hat mein Photo den Ausflug in ebendiese nicht ueberlebt, weswegen es wohl schwierig werden wird mit Bildern von meinem aktuellen Trip. Von Cochin aus habe ich mich dann auf den Weg nach Kumily, einem kleinen Dorf neben einem Naturschutzgebiet (Periyar) gemacht. Die Reise hierher habe ich schriftlich festgehlaten auf dem Block, der nun meine Kamera ersetzt - imagine. Hier meine Erguesse:

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Auf dem Weg nach Kumily, Kamera kaputt, also muss ich schreiben, so wie Millionen vor mir und so wie es auch angemessen ist fuer Indien. Ein Schreiberling passt besser in die Gasse als ein Digitalkameratourist. Mein Bus hat keine Fenster und Tueren. Die waren da auch niemals vorgesehen so wies ausschaut. Es zieht. Gott sei Dank! In Kerela an der Kueste kennt man zzt. keine Temperaturen unter 30 Grad. Ergo gibt es fuer mich im Moment nur 2 Zustaende: Schweissgebadet oder frisch aus der Dusche. Zwischen 12:00 und 16:00 wird der Temperaturregler dann nochmal gnadenlos nach oben gedreht und doofe teilzeittouristen wie ich, die sich zu dieser Zeit auf die Strasse trauen werden zuerst rot und dann schwarzgekocht.
Es ist also mehr ein hopsen von Schattenplatz zu Schattenplatz als ein richtiger Spaziergeng den man ueber die Mittagszeit unternimmt. Mein Wasserverbrauch wird dokumentiert von einem Muelleimer der unter einem Berg durchsichtiger ein-liter Aquafina Flaschen begraben ist.
Zurueck in den Bus. Im Gegensatz zu man anderen Bundesstaaten sind die Strassen in Kerela recht gut. Was bedeutet ihre Aehnlichkeit mit einem schwarzen schweizer Kaese laesst zu wuenschen uebrig. Die Reise im Statebus ist dennoch nicht das gelbe vom Ei ( besonders wenn sie sieben Stunden dauert) allerdings zahlen Ziegen nur den halben Fahrtpreis. Bringt mir nichts, ich reise ohne weibliche Begleitung.
Am Busstand dann Stau. Ein paar wollen raus, alle anderen wollen rein. Sekunden spaeter wimmelt es auf dem Gang von Verkaeufern und Bettlern. Sie alle leiern (die meisten schon heiser) ihren Monotonen Singsang herunter z.b. "Water, Lemonade, Juice" in der Endlossschleife. Sie schreiten durch den Mittelgang, sind aber meist schonwieder weg, bevor sie wirklich von mir wahrgenommen werden. Genauso automatisert wie die Waren angeboten werden lehne ich sie ab.
Mist. Wasser alle. 20 Haendler im Bus und keiner von den Hallodris verkauft Wasser. Vielleicht sollte ich einen holen schicken? - Ja das geht. Aber fein ist das nicht, ich schaem mich ja.

Mein Bus hat ne Beule. Unterm Strich hat er ne ganze Menge davon, aber diese ist besonders, weil ich dabei war als sie gebohren wurde. Ein anderer Busfahrer mit der Intention einen zu kleinen Parkplatz fuer sein Monstrum zu beanspruchen hat uns den Anstoss gegeben doch etwas Platz zu machen. Ausser mir scheints niemanden zu interessieren. Der Bus Stand an sich ist sogar fuer indische Verhaeltnisse haesslich. Bedraengt von broeckeligen mehrstoeckigen Gebaeuden, die ueber und ueber mit Geschaeften und Reklame vollgestopft sind. Das staedtchen an sich ist Namenlos, das Strassenschild das auskunft haette geben sollen, zugeklebt.
Die Fahrt an sich ist wunderschoen. Der Busfahrer faehrt zwar wie ein Berserker, aber man gewoehnt sich an alles der Blick ueber die wogenden Huegel im Hochland durch das wir ueber Serpentinenstrassen kurven laesst einen traeumen.
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Heute Morgen (5:45 !! Die spinnen die Inder) war ich dann im Nationalpark trekken. Wege waren fuer den Guide nicht interessant, also ging es meistenteils querfeldein, mit Glueck auf kaum ausgetretenen Pfaden, in der Regel einfach mittendurch. Ein klein wenig Indiana Jones Gefuehl macht sich da schon breit. Von Blutegel bleiben wir weitestgehend verschont (ich hatte nur einen am Bein haengen) von Elefanten und Raubkatzen leider ebenfalls.

Das wars fuer heute. Das naechste Reiseupdate gibts dann wahrscheinlich wieder aus dem Internetcafe.

more to come,

Ulrich