Ulrich und sein Praktikum in Indien.

Mittwoch, März 15, 2006

Von schlafenden Loewen und singenden Indern

Heute zwei Eintraege an einem Tag.

Am Wochenende gings wie vorausgesagt Richtung Ooty mit nem gemieteten Kleinbus, 11 jungen Leuten, ner Gitarre und ner Menge guter Laune. Ankunft: halb 6 Uhr morgens, Schlaf, wie zu erwarten war, Fehlanzeige. Bei dem Geholper haette selbst jemand mit Schlafkrankheit kein Auge zu gemacht. Um nicht direkt nach der Ankunft ins Wachkoma zu verfallen gings dann erstmal trekken. Und mit der Sonne und der Natur erwachten auch unsere Lebensgeister wieder aufs neue. Nicht das sie eine Wahl gehabt haetten. Zum Einen wurden wir bombardiert mit wunderschoenen Eindruecken und zum Anderen gings die ersten eineinhalb Stunden stetig bergauf – folglich atemberaubend in jeder Hinsicht, Belohnung war dann natuerlich ein unvergesslicher Ausblick. Den Rest vom Tag wurde weggedoest, am Pool relaxed und aufgefuttert. Abends waren dann eigentlich alle fertig genug um schlafen zu gehen. Dennoch ging niemand. Fuer mich, Roohshad, Lena und Sebi war damit Gitarrespielen und Singen bis in die Morgenstunden angesagt. In der Nacht hat bestimmt kein Loewe ein Auge zu gemacht. An dieser Stelle mal Danke an die Mittrinkersinger.
Gluecklicherweise hatte ich dem Alkohol in ausreichenden Mengen zugesprochen, so dass die Nacht (der Morgen) im Schlafsaal fuer mich im Alkoholbeinahevergiftungskomaschlaf vorbeiging. Das sollte sich als klasse herausstellen. Der Rest des Raumes wurde naemlich von einem Schrei-schnarcher akustisch in den Wahnsinn getrieben. So gruendlich, dass zwei von uns mitsamt Bett die Flucht aus dem Zimmer in den Vorraum ergriffen um dort ihrem verzweifelten Ruhebeduerfnis zu einem Happy End zu verhelfen.
Die Safari am naechsten Tag im Bandipur National Park war wunderschoen, wenn auch fuer unsere Gruppe (wir hatten 2 Jeeps) was die fauna anbetrifft ziemlich ereignislos. Haufenweise Affen, Spottet-deer und Pfaue waren zu sehen, dazu noch Papageien und jede Menge anderer exotischer Voegel. Unsere Hoffnungen Elefanten oder gar einen Tiger zu sehen blieben leider unerfuellte wuensche. Die angesprochenen Objekte der Begierde waren zu der Zeit als wir (sogar im schallgedaempften!!) Jeep durch die Gegend fuhren, leider zu beschaeftigt damit sich dem anderen Teil unserer Gruppe vors Auto zu werfen. Die Reisegruppe spielte beim wiederzusammentreffen dann kurz lachender und weinender Clown (jeweils die Haelfte durfte einen Part uebernehmen – ich war wie erwaehnt in der Mundwinkel-unten Truppe) bevors endgueltig wieder in die Heimat ging.

Wikipedia schreibt:
Fünf Tage nach dem Vollmond ist Rangapancami (Raga = Farbe; Pancami = der 5. lunare Tag), der zweite Tag des Festes. An diesem Tag sind alle Schranken durch Kaste, Geschlecht, Alter und gesellschaftlichem Status aufgehoben. Es wird ausgelassen gefeiert und man besprengt und bestreut sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser und gefärbtem Puder (genannt Gulal).

Heute ist der Zweite Festtag von Holi. Hatte keine Ahnung was Holi ist, wie man sich da verhaelt, was passiert und wer da mitmacht (um genau zu sein, habe ich mir die Wikipedia definition gerade erst angeschaut). Muthu hatte Sebi und mich eingeladen das Fest mit ihm und seinen Jungs zu feiern. Beste Vorraussetzungen also das ganze Hautnah zu erfahren und alle meine Fragen zu beantworten.
Heute Morgen um halb elf gings los. Und wie das los geht wenn die Inder mal anfangen zu feiern. 15 Mann, viel zu viel Whiskey (Am MORGEN!! Ich hatte nichtmal was gegessen! und man hat ja einen Ruf zu verteidigen...) und Farben. 10 Sekunden nachdem der erste meine Ankunft im Privathaus bemerkt hatte war ich schon ueber und ueber mit ebensolcher bedeckt. Die frohlich grellen Farbpuderpaeckchen wurden waehrend der mehrstuendigen Feier zu mehreren Dutzend und ueberall hin entleert und nur wer schon einmal mit Indern ausgelassen gefeiert hat, kann nachvollziehen welchen Spass Sebastian und ich hatten. Keine Ahnung ob die Bude von Amid, dem Hausherrn, jemals wieder sauber wird. Die Bilder sprechen eine deutlichere Sprache als jeder Text das koennte.

Enjoy!



Die Farben sind so bunt und sehen so ganz anders aus als meine Haut, dass dann doch der Punkt kommt an dem ich das Zeug loshaben moechte. Leider halten die Inder offenbar sehr viel vom farbenfrohen Erscheinungsbild. Das Zeug geht nicht ab. Fuer heute hab ich genug geschrubbt, morgen frueh gibts den zweiten Versuch.



Lange habe ich gezoegert das hier zu schreiben. Aber alle Sentimentalitaeten verlaengern meinen Aufenthalt nicht und so gebe ich bekannt, dass meine Zeit in Indien am ersten Wochenende im April fuers Erste endet. Vor dem Heimflug reise ich noch 3 Wochen durch Suedindien, das heisst, dass auch mein letzter Arbeitstag naeher rueckt. Ueber den Abschied denke ich nicht gerne nach, dafuer um so gernerer ueber die Ankunft. Jungs, stellt schonmal das Bier kalt Muetter sperrt die Toechter ein, der Ulrich hat seinen Aufenthalt so gut wie ueberlebt und kommt heim.

Fuer alle Leser die jetzt heulend und Haare raufend vorm Bildschirm sitzen und mit himmelwaerts gerichtetem Blick ein „Warum?!“ in die Welt entlassen: Keine Panik. Das war noch lange nicht der letzte Eintrag.

More to come,

Ulrich

2 Comments:

Blogger Sebi said...

Du denkst doch immer nur ans Trinken und Feiern, wie unsozial. Ich für meinen Teil lass mir meine Achselhaare wachsen und flecht mir Zöpfe. Müsli ole!!!

15 März, 2006 19:46

 
Blogger Mafine said...

Da haben sich ja zwei gefunden!
Sehr geile die Bilder. Können wir dieses bunte Fest auch bei uns einführen, das wär doch was für mich! ;)
Das sieht nach verdammt viel Spaß aus, auch will!!
Paneer ole!!!

16 März, 2006 09:16

 

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